Ein Wolf hat am Montagabend in Hamburg für Aufsehen und Besorgnis gesorgt, nachdem er eine Frau in Altona angefallen und gebissen hatte. Das Tier, das zuvor bereits im Hamburger Westen gesichtet worden war, verletzte die Frau in der Großen Bergstraße im Gesicht. Sie musste daraufhin zur medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach dem Angriff wurde der Wolf an verschiedenen Orten gesichtet, darunter auf St. Pauli, an der Feldstraße und in der Nähe der Messehallen. Schließlich entdeckten Polizisten und Polizistinnen den Wolf schwimmend in der Binnenalster am Jungfernstieg. Mit einer Schlinge gelang es ihnen, das Tier aus dem Wasser zu ziehen. Obwohl der Wolf sich anfangs in der Baustelle des ehemaligen Lokals “Alex” zur Wehr setzte, konnte er von weiteren Einsatzkräften mit Schilden über eine Stunde in Schach gehalten werden, bis er gesichert war.
Der Abteilungsleiter für Stadtjäger des Bezirksamtes Altona übernahm den Wolf anschließend gemeinsam mit einem Tierarzt. Nach ersten Angaben gehe es dem Tier gut, es sei lediglich aufgeregt und müsse sich nun erst einmal beruhigen. Gemeinsam luden sie den Wolf vorsichtig in eine Transportbox und brachten ihn in den Wildpark Klövensteen. Dort soll im Laufe des Tages in Abstimmung mit der Umweltbehörde das weitere Vorgehen bezüglich des Wolfes besprochen und entschieden werden. Die schnelle Reaktion der Einsatzkräfte verhinderte weitere Zwischenfälle und ermöglichte die sichere Bergung des Tieres aus dem innerstädtischen Bereich.
Es wird angenommen, dass es sich bei dem gefangenen Tier um denselben Wolf handelt, der bereits am Wochenende im Hamburger Westen für Schlagzeilen sorgte. Er war am Sonnabend zunächst am Falkensteiner Ufer in Blankenese und am Klein Flottbeker Weg in Othmarschen gesichtet worden. Am Sonntag meldeten sich laut Polizei weitere besorgte Anrufer, die einen Wolf im Bereich Schinckels Park und Römischer Garten in Blankenese sowie in der Nähe des S-Bahnhofs Othmarschen gesehen haben wollten. Seit 2013 wurden in Hamburg insgesamt 21 bestätigte Wolfsnachweise verzeichnet. Zuletzt wurde Mitte März ein verendeter Wolf auf der Autobahn 25 in Höhe der Auffahrt Curslack nach einem Wildunfall gefunden. Der Bundestag hatte zudem bereits die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht beschlossen, was den Umgang mit der Art grundsätzlich ändert.
Die Rückkehr des Wolfes nach Hamburg und in andere dicht besiedelte Gebiete Deutschlands führt zunehmend zu Konflikten. Neben den jüngsten Sichtungen im Stadtgebiet wurden in den vergangenen Tagen auch Wölfe am Elbdeich bei Fliegenberg und in Hamburg-Rönneburg mit dem Handy gefilmt. Die Präsenz der Raubtiere birgt auch Risiken für Nutztiere: So fand ein Landwirt im Hamburger Süden kürzlich zwei seiner Schafe morgens auf der Weide – das eine tot, das andere musste eingeschläfert werden. Der Vorfall in Altona unterstreicht die Notwendigkeit eines abgestimmten Managements und einer sensiblen Kommunikation im Umgang mit Wildtieren, die sich zunehmend in menschliche Lebensräume vorwagen.
