Nach wochenlangen, intensiven Arbeitskämpfen kehrt bei der Lufthansa vorerst Ruhe ein. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) haben am Freitag angekündigt, “kurzfristig” keine weiteren Streiks zu planen. Stattdessen soll der Fokus auf Gesprächen mit der Airline liegen, um eine mögliche Schlichtung auszuloten. Der jüngste Streikaufruf der Piloten-Gewerkschaft endete um Mitternacht. Dies bietet eine dringend benötigte Atempause für zehntausende Reisende, die in den vergangenen Tagen von zahlreichen Flugausfällen und Verspätungen betroffen waren.
Die jüngste Streikwelle hatte zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt. Allein am Freitag fielen am Hamburger Flughafen 44 geplante Lufthansa-Flüge aus, in Hannover acht Starts und Landungen, und in Bremen insgesamt 20 Flüge. Bundesweit waren es Hunderte, die erneut annulliert werden mussten. Seit Wochen kam es immer wieder zu Ausständen des Pilot- und Kabinenpersonals bei Lufthansa und ihren Tochterfirmen. In der vergangenen Woche gipfelte dies in einem “Streik-Marathon” von Montag bis Freitag, der zahlreiche deutsche Flughäfen lahmlegte und Passagiere strandeten ließ. Auch die Tochtergesellschaft Eurowings war betroffen.
Die Gewerkschaften vertreten unterschiedliche, aber zentrale Forderungen: UFO konzentriert sich auf bessere Arbeitsbedingungen, während die VC Verbesserungen bei der betrieblichen Altersvorsorge anstrebt und eine bislang mangelnde Gesprächsbereitschaft der Lufthansa kritisiert. Ein erster Schlichtungsversuch war bereits gescheitert. Die Lufthansa ihrerseits hatte die Streiks als “unverständlich” und die Forderungen der Beschäftigten als “überzogen” bezeichnet. Die Airline kündigte sogar die Einstellung des Betriebs ihrer Tochtergesellschaft Cityline an, begründet mit gestiegenen Kerosinkosten und den Belastungen durch die aktuellen Arbeitskämpfe.
Neben den internen Tarifauseinandersetzungen sieht sich die gesamte Luftfahrtbranche externen Belastungen ausgesetzt. Hohe Kerosinpreise, unter anderem durch die Blockade der Straße von Hormus, setzen die Airlines unter Druck. Luftfahrtexperte Cord Schellenberg weist auf den hohen internationalen Preisdruck und die geringen Margen in der Luftfahrt hin. Während Lufthansa ihren 100. Geburtstag feiert, werden die Jubiläumsfeierlichkeiten von diesen Herausforderungen und den Arbeitskämpfen überschattet. Obwohl nun eine Streikpause eintritt, haben beide Gewerkschaften neue Streiks für die Zeit nach den Gesprächen nicht kategorisch ausgeschlossen, falls keine Einigung erzielt wird.
