Der Premier-League-Klub Tottenham Hotspur hat sich nach nur sieben Spielen und angesichts einer akuten Abstiegsbedrohung von seinem Teammanager Igor Tudor getrennt. Die Entscheidung, die laut Klubangaben „einvernehmlich“ getroffen wurde, erfolgte am Sonntag und markiert die zweite Trainerentlassung der Londoner in dieser Saison. Nach einer empfindlichen 0:3-Heimpleite gegen Nottingham Forest sind die Spurs auf Platz 17 der Premier League abgerutscht, nur noch einen Punkt vor den Abstiegsrängen. Der Druck, den Verein vor dem Sturz in die Championship zu bewahren, ist immens.
Der Kroate Igor Tudor hatte erst Ende Februar das Ruder von dem glücklosen Dänen Thomas Frank übernommen und einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben. Seine Amtszeit bei den Spurs war von ernüchternden Ergebnissen geprägt: In der Liga verlor Tottenham unter seiner Führung vier von fünf Spielen, lediglich ein Remis beim FC Liverpool brachte einen Punktgewinn. Tudors einziger Erfolg in seiner kurzen Zeit war der 3:2-Rückspielsieg im Champions-League-Achtelfinale gegen Atlético Madrid, der jedoch das Ausscheiden aus dem Wettbewerb nicht verhindern konnte. Zuvor war Tudor bereits im Oktober bei Juventus Turin entlassen worden.
Unmittelbar nach der jüngsten Niederlage gegen Nottingham Forest wurde Tudor auch persönlich von einer Tragödie getroffen, als er vom Tod seines Vaters erfuhr. Der Verein nahm diesen Trauerfall in seiner Mitteilung ausdrücklich zur Kenntnis und sprach Tudor und seiner Familie in dieser schweren Zeit seine Unterstützung aus. Mit dem Trainer müssen auch Torwarttrainer Tomislav Rogic und Konditionstrainer Riccardo Ragnacci den Klub verlassen. Die sportliche Situation ist alarmierend, da der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, der aktuell von West Ham United belegt wird, auf lediglich einen Punkt geschrumpft ist.
Die Tottenham Hotspur, die zu den zehn umsatzstärksten Fußballvereinen der Welt gehören, erleben einen seltenen und dramatischen Niedergang. Trotz ihrer finanziellen Stärke und der jüngsten Teilnahme an der Champions League, wo sie als Vierter der Ligaphase das Achtelfinale erreichten, ist die sportliche Krise unübersehbar. Die Suche nach einem dritten Teammanager in dieser Saison, der den Klub vor dem drohenden Debakel bewahren soll, wird mit Hochdruck betrieben und soll „zu gegebener Zeit“ bekannt gegeben werden. Ein Sündenbock für die Misere scheint mit Tudors Entlassung gefunden, doch die eigentlichen Probleme des Klubs dürften tiefer liegen.
