Am Sonnabend fand in Raa-Besenbek, Kreis Pinneberg, eine große Hochwasserschutzübung statt, bei der 200 Einsatzkräfte des THW und des Katastrophenschutzes den Ausfall eines Schöpfwerks simulierten. Unter der Leitung von THW-Fachberater Claus Böttcher wurde ein neues Einsatzkonzept getestet, das im Zuge der Nachbereitung eines realen Notfalls im Dezember 2023 entwickelt wurde. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft und Koordination bei Pumpenausfällen zu verbessern. Die Übung ermöglicht den ehrenamtlichen Helfern, wertvolle Erfahrungen unter kontrollierten Bedingungen zu sammeln und sich auf zukünftige Hochwasserereignisse, insbesondere im Kontext des Klimawandels, vorzubereiten.
Der Anlass für das neue Konzept war der Einsatz im Dezember 2023, als die Pumpen des Schöpfwerks Raa-Besenbek ausfielen und über 3.000 Hektar Land in der Elbmarsch von Binnenhochwasser bedroht waren. Das THW war damals eine Woche lang rund um die Uhr im Einsatz, bis eine Ersatzpumpe aus den Niederlanden Abhilfe schaffte. Während dieses realen Einsatzes wurden mehrere Probleme identifiziert, die nun gezielt in der Übung adressiert werden. Dazu gehörte ein durch Regen aufgeweichter, matschiger Boden, der die Fahrzeugbewegung erschwerte und somit die gleichzeitige Reparatur und das Abpumpen des Wassers behinderte. Zudem war die Förderleistung des damaligen Notfall-Pumpsystems mit nur einem Kubikmeter Wasser pro Sekunde unzureichend.
In der aktuellen Übung wurden konkrete Lösungen für die damaligen Probleme erprobt. Um dem matschigen Untergrund entgegenzuwirken, steckten die Helfer Kunststoffplatten zusammen, um eine stabile Arbeitsfläche für mehrere THW-Einsatzfahrzeuge zu schaffen. Dies ermöglicht eine simultane und effizientere Arbeitsweise. Bezüglich der Pumpkapazität wurde eine neue Konstellation verschiedener Pumpen getestet, die eine Förderleistung von anderthalb bis zweieinhalb Kubikmetern Wasser pro Sekunde erreicht. Laut Claus Böttcher steigert dies den Wirkungsgrad der Pumpen von einst 35 Prozent auf nun 50 bis 70 Prozent. Diese signifikanten Verbesserungen sollen bei künftigen realen Hochwasserereignissen eine schnellere und effektivere Entwässerung gewährleisten.
Die Bedeutung dieser Übung reicht über Raa-Besenbek hinaus für die gesamte Katastrophenhilfe in Schleswig-Holstein. Angesichts von rund 350 Schöpfwerken im Land, die im Durchschnitt 50 Jahre alt sind und somit anfälliger für Ausfälle werden, sowie der Erwartung häufigerer Starkregenfälle durch den Klimawandel, ist die Vorbereitung entscheidend. Das THW diskutiert zudem die Koordination von Hochwassereinsätzen, insbesondere seit der Ahrtal-Flut 2021. Da Ehrenamtliche des THW und der Feuerwehr die eigentliche Arbeit leisten, sei deren Einbindung in die Planung von Simulationen unerlässlich. Das neue Konzept, an dem THW-Fachberater Böttcher und sein Team fast zwei Jahre arbeiteten, wurde bereits mit dem Innen- und Umweltministerium abgestimmt und stellt einen wichtigen Schritt für die Resilienz der Region dar. Der Höhepunkt der Übung ist die Inbetriebnahme des Ersatzpumpensystems.
