Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag und Samstag erneut weite Teile des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland lahmgelegt. Busse, Trams und U-Bahnen fielen in den meisten Regionen aus, wodurch der Arbeitskampf den Alltag von Millionen Pendlern massiv beeinträchtigte. Die koordinierte Warnstreik-Aktion, die am Freitagmorgen begann, führte in fast allen Bundesländern zu einem nahezu vollständigen Erliegen des Nahverkehrs und wird voraussichtlich bis in die Nacht auf Sonntag andauern. Ausgenommen von diesem zweitägigen Arbeitskampf sind lediglich die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg, wo der Nahverkehr regulär betrieben wird. Die zweite großangelegte Streikwelle im laufenden Tarifkonflikt unterstreicht die Entschlossenheit der Gewerkschaft, ihre Forderungen durchzusetzen und den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.
Verdi fordert in den Tarifverhandlungen, die meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, insbesondere eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dazu gehören konkrete Maßnahmen wie kürzere Wochenarbeits- und Schichtzeiten sowie längere Ruhezeiten. Auch höhere Zuschläge für die Arbeit in der Nacht und am Wochenende stehen im Fokus der Forderungen, um die Attraktivität und die Belastung im ÖPNV-Sektor zu adressieren. In einigen spezifischen Bundesländern, nämlich Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn, werden zusätzlich zu den Arbeitsbedingungen auch höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Dies zeigt die differenzierte Herangehensweise der Gewerkschaft, die sowohl strukturelle Verbesserungen als auch finanzielle Anerkennung anstrebt, um dem Personalmangel und der Überlastung entgegenzuwirken.
Die aktuelle Warnstreik-Aktion ist bereits die zweite im Rahmen dieses Tarifkonflikts, nachdem schon am 2. Februar Verdi den Nahverkehr bundesweit fast vollständig zum Erliegen brachte. Diese Strategie der Gewerkschaft stößt immer wieder auf scharfe Kritik von Seiten der Arbeitgeber. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte Nahverkehrsunternehmen Deutschlands, äußerten beispielsweise, Verdi folge einer “bundesweiten Dramaturgie, ohne die Berliner Realität anzuerkennen”. Diese wiederholten Arbeitsniederlegungen werden von den Arbeitgebern als unverhältnismäßig empfunden und als Mittel zur Eskalation des Konflikts interpretiert, anstatt konstruktive Lösungen am Verhandlungstisch zu finden.
Verdi wiederum kontert diese Kritik mit dem Vorwurf, die Gespräche kämen zu langsam voran. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle betonte die Dringlichkeit der Lage: „Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern.“ Sie argumentiert, dass die Kolleginnen und Kollegen dringend Entlastung benötigen und die Arbeitgeber ein klares Signal der Kampfbereitschaft erhalten müssen. Die Mitarbeiter, wie die der MVG in München, unterstreichen, dass es nicht primär um mehr Geld gehe, sondern um eine grundsätzliche Verbesserung der Arbeitsbelastung und der Rahmenbedingungen, um den Berufsalltag wieder nachhaltig gestalten zu können und den ÖPNV zukunftsfähig zu machen.
