Bei der Petersberger Klimadialog-Konferenz in Berlin hat Bundesumweltminister Carsten Schneider am Dienstag eine schnellere Abkehr von fossilen Energien gefordert. Der SPD-Politiker sprach mit Blick auf die aktuelle Energiepreis-Krise über neue Chancen für den Klimaschutz. Mehr als 30 Staaten beraten seit heute in Berlin darüber, wie die Erderwärmung gebremst werden kann. Im Zentrum steht der Wechsel von Öl, Kohle und Gas hin zu erneuerbaren Energien. Die Debatte ist auch von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Risiken für den globalen Energiemarkt geprägt. Die Konferenz findet mit rund 400 Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft statt. Gastgeber ist Deutschland, das den Dialog seit 2010 organisiert.
Schneider sagte vor dem Start der Konferenz, die aktuelle Lage zeige klar die Abhängigkeit vieler Länder von fossilen Energien. „Die Klimapolitik liefert die Lösungen, damit die nächste fossile Krise weniger schmerzhaft wird“, sagte er. Er betonte, dass viele Menschen weltweit nicht mehr von instabilen Energiemärkten abhängig sein wollen. Besonders die Situation in wichtigen Öltransport-Routen wie der Straße von Hormus spiele dabei eine große Rolle für die Preisentwicklung und Sicherheit.
Der Minister forderte mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien. Dazu zählen Windkraft, Solarenergie, Elektromobilität und Wärmepumpen. „Wir müssen unabhängiger werden von teurem und unsicherem Öl und Gas“, sagte Schneider. Er sieht in der aktuellen Energiekrise auch eine Chance für politischen Fortschritt. Die Technologien seien bereits vorhanden, nun müsse der Ausbau schneller erfolgen.
Der Petersberger Klimadialog gilt als wichtige Vorbereitung für die nächste UN-Klimakonferenz. Neben Deutschland nehmen auch Vertreter aus über 30 Ländern teil, darunter Türkei und Australien. Diese bereiten sich bereits auf die nächste Weltklimakonferenz im November im türkischen Antalya vor. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird in den kommenden Tagen eine Rede halten.
Die internationale Klimapolitik kommt jedoch seit einiger Zeit nur langsam voran. Viele Staaten erreichen ihre Klimaziele nicht. Auch das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, gilt als schwer erreichbar. Die Klimakonferenz 2025 in Brasilien brachte keinen klaren Plan für den Ausstieg aus fossilen Energien. Experten sehen darin ein großes Problem für den globalen Klimaschutz.
Ein weiterer Faktor ist die politische Entwicklung in den USA. Der frühere Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen hat die internationale Zusammenarbeit zusätzlich belastet. Dadurch fehlen wichtige Impulse für gemeinsame Klimastrategien.
Deutschland selbst hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2030 sollen die Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Bis 2045 will das Land klimaneutral werden. Das bedeutet, dass nur noch so viele Treibhausgase ausgestoßen werden dürfen, wie gleichzeitig gebunden werden können. Doch aktuelle Daten zeigen, dass Deutschland noch nicht auf Kurs ist. Deshalb hat die Regierung neue Klimaschutzmaßnahmen vorgestellt.
Gleichzeitig gibt es Streit in der Bundesregierung über den richtigen Weg. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) unterstützt zwar den Ausbau erneuerbarer Energien, fordert aber Kürzungen bei Förderungen für kleine Solaranlagen. Auch Ausgleichszahlungen für ungenutzten Ökostrom stehen in der Kritik. Umweltverbände warnen jedoch vor einem Rückschritt bei der Energiewende.
Am Wochenende gab es in mehreren deutschen Städten Proteste gegen mögliche Kürzungen im Bereich der erneuerbaren Energien. Umweltorganisationen fordern stattdessen mehr Investitionen. „2026 ist der Moment zu handeln: Der Ausstieg aus fossilen Energien ist keine Frage mehr des Ob, sondern des Wie schnell und wie gerecht“, sagte Klimaexpertin Susann Scherbarth vom BUND.
Auch die Umweltorganisation Germanwatch sieht großen Handlungsdruck. Sie fordert klare internationale Fahrpläne für den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle. Kurz nach dem Treffen in Berlin soll zudem ein weiteres internationales Klimatreffen in Kolumbien stattfinden, das sich ebenfalls mit dem Thema Energiewende beschäftigt.
Greenpeace-Experte Martin Kaiser forderte Bundeskanzler Merz zu mehr Führung auf. In einem Beitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ schrieb er, Europa müsse sich konsequent von fossilen Energien lösen, um wirtschaftlich und sicherheitspolitisch stabil zu bleiben.
Die Debatte zeigt deutlich, dass Klimaschutz und Energiepolitik eng miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wächst der Druck, schneller zu handeln, um wirtschaftliche Krisen und Klimarisiken zu begrenzen.
