In Deutschland ist die Gesamtkriminalität im Jahr 2025 weiter gesunken. Gleichzeitig steigt jedoch die Zahl junger Tatverdächtiger, was Behörden zunehmend beschäftigt. Laut den aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistiken (PKS) wurden rund 5,5 Millionen Straftaten erfasst. Das entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Gewaltverbrechen sank ebenfalls um 2,3 Prozent auf etwa 212.300 Fälle. Die Daten wurden in Berlin veröffentlicht und zeigen ein gemischtes Bild der Sicherheitslage.
Ein Teil des Rückgangs hängt mit der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 zusammen. Dadurch wurden weniger Verstöße im Bereich der Drogenkriminalität registriert. Diese gingen um 27,7 Prozent zurück. Auch weniger irreguläre Migration und strengere Grenzkontrollen trugen laut Behörden zu sinkenden Zahlen bei. Besonders Verstöße gegen Aufenthalts- und Asylrecht gingen deutlich zurück.
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung gibt es auch Bereiche mit Anstieg. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Tatverdächtigen. Die Zahl der Kinder, die an Gewaltdelikten beteiligt sind, stieg um 3,3 Prozent auf rund 14.200 Verdächtige. Im Vorjahr lag der Anstieg noch bei 11,3 Prozent, sodass sich das Wachstum zwar verlangsamt, aber weiterhin besteht.
Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor einer differenzierten Betrachtung der Zahlen. Die Behörde betont, dass statistische Schwankungen in einzelnen Deliktbereichen normal seien. Besonders bei Tötungsdelikten gebe es Sonderfälle, die die Statistik stark beeinflussen können. So wurde etwa ein großer Fall in Berlin mit mehreren Opfern in die Statistik einbezogen, was die Zahlen erhöht.
Insgesamt zeigen die Daten auch Veränderungen in der Art der Kriminalität. Fälle von Raub und Körperverletzung im Straßenverkehr gingen um 7,1 Prozent zurück. Gleichzeitig stiegen Betrugsdelikte um 11,5 Prozent. Auch Sexualdelikte nahmen um 8,5 Prozent zu. In rund drei Viertel dieser Fälle kannten sich Opfer und Täter bereits.
Ein weiteres auffälliges Ergebnis betrifft den Einsatz von Waffen. In etwa 29.200 Fällen wurde ein Messer verwendet oder angedroht. Das entspricht einem leichten Anstieg von 0,8 Prozent. Experten definieren Messerangriffe als Situationen, in denen ein Messer direkt eingesetzt oder angedroht wird.
Besonders diskutiert wird die Frage, warum mehr Kinder und Jugendliche in Gewaltkriminalität verwickelt sind. Das BKA verweist auf psychische Belastungen, Unsicherheiten durch globale Krisen sowie mögliche Einflüsse sozialer Medien. Ein direkter Zusammenhang sei jedoch wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt.
Politisch hat die Entwicklung eine Debatte ausgelöst. Einige Vertreter der CDU fordern eine Diskussion über eine mögliche Absenkung des Strafmündigkeitsalters von 14 Jahren. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) lehnt dies ab. Sie argumentiert, dass strengere Strafen allein keine wirksame Prävention seien.
Auch die Rolle von Migration wird politisch diskutiert. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht einen Zusammenhang zwischen sinkender irregulärer Migration und rückläufiger Kriminalität. Vertreter der Innenministerkonferenz verweisen zudem darauf, dass junge Männer unter Geflüchteten statistisch häufiger auffallen. Gleichzeitig warnen Organisationen wie die Türkische Gemeinde in Deutschland vor einer politischen Instrumentalisierung der Kriminalitätsstatistik.
Neben der offiziellen Statistik zeigt eine begleitende Dunkelfeldstudie ein anderes Bild. Sie deutet darauf hin, dass viele Straftaten gar nicht angezeigt werden. Besonders Cyberkriminalität, Diebstahl und Betrug sind laut Studie häufig. Etwa 18 Prozent der Befragten gaben an, Opfer von Online-Kriminalität geworden zu sein.
Auch bei Gewalt- und Sexualdelikten zeigen sich Unterschiede zwischen Altersgruppen und Geschlechtern. Jüngere Menschen sind häufiger von körperlicher Gewalt betroffen, während Frauen deutlich öfter sexuelle Belästigung melden. Ältere Menschen sind dagegen seltener betroffen.
Trotz einzelner Problemfelder betont das BKA, dass das Sicherheitsgefühl in Deutschland insgesamt hoch sei. Besonders tagsüber fühlen sich viele Menschen sicherer als in früheren Jahren.
