Die zweitägige Waffenruhe in Nahost erweist sich als äußerst fragil. Nach erneuten Explosionen in Iran und den Golfstaaten hat Israel eine Großoffensive im Libanon gestartet. Diese Eskalation wird von der Hisbollah als Verstoß gewertet, was zu weiteren Angriffen auf Israel führte. Iran erwägt angesichts der Entwicklungen, die Feuerpause nur einen Tag nach ihrem Zustandekommen wieder zu beenden. SZ-Nahost-Korrespondent Bernd Dörries analysiert die fortgesetzten Kämpfe zwischen Iran und Israel und deren Gefährdung des jüngsten Abkommens. Krisenreporter Tomas Avenarius ordnet die Situation im SZ-Nachrichtenpodcast “Auf den Punkt” ein. Die Blockade der Straße von Hormus scheint zudem fortgesetzt zu werden, was die Spannungen weiter anheizt und die globale Energieversorgung bedroht. Aktuelle Entwicklungen können jederzeit im SZ-Liveblog verfolgt werden.
Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen reagierten die Märkte zunächst erleichtert auf die vereinbarte Waffenruhe. Doch die Kolleginnen aus dem Wirtschaftsressort der SZ warnen vor den weitreichenden Auswirkungen auf Spritpreise und Aktienkurse. Selbst im Falle eines schnellen Friedensschlusses wird es Jahre dauern, bis sich die Weltwirtschaft von den Schocks dieses Konflikts erholt hat. Dies bekräftigt auch der Chef der Internationalen Energieagentur, der im SZ-Interview mit Paris-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid betont: „Wir werden die Folgen viele Monate spüren, wenn nicht Jahre.“ Die Unsicherheit im Nahen Osten bleibt somit ein signifikanter Faktor für die globale Ökonomie und die Finanzmärkte, mit potenziell langfristigen Konsequenzen für Verbraucher und Unternehmen weltweit.
Die US-Regierung unter Trump erwägt Sanktionen gegen mehrere NATO-Staaten wegen ihrer ausbleibenden Hilfe im Iran-Krieg, wobei sogar die Schließung einer Militärbasis in Deutschland im Raum steht. Ein kürzliches Treffen zwischen Trump und NATO-Generalsekretär Rutte scheint den US-Präsidenten verärgert zu haben, wie Charlotte Walser berichtet. Trump bleibt bei seiner Kritik am Bündnis und wirft den Mitgliedstaaten mangelnde Unterstützung vor. Indes sorgt in der deutschen Innenpolitik die Meldung über Wolfgang Kubickis Ambitionen auf den FDP-Vorsitz für Aufsehen. Gustav Seibt vom Feuilleton sieht in Kubicki zwar einen polarisierenden, wiedererkennbaren Politiker mit wertvollen Attributen im Kampf um Aufmerksamkeit, jedoch auch einen Repräsentanten der Vergangenheit.
Neben dem Nahost-Konflikt prägen weitere Ereignisse den Tag: Das Kabinenpersonal der Lufthansa hat einen Streik für Freitag angekündigt, der alle Abflüge in Frankfurt und München sowie an neun weiteren deutschen Flughäfen durch die Cityline betreffen wird. Im Sport musste der FC Barcelona einen Rückschlag in der Champions League hinnehmen, mit einer 0:2-Niederlage gegen Atletico Madrid. Im Dossier Digitalwende wird der Stand des deutsch-indischen KI-Pakts beleuchtet, während der neue „Digital-Kompass“ die digitale Teilhabe für Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten stärken soll. Ein weiteres Dossier zur Geoökonomie analysiert, wie Peking durch seine „Macht der Geduld“ am Golf gestärkt aus dem Iran-Krieg hervorgeht, während die USA keine erkennbaren Ziele erreicht haben. Chinas Drohnenteile-Lieferungen unterstreichen zudem die Effektivität hybrider Kriegsführung.
