Die iranische Insel Kharg, das Herzstück der iranischen Ölexporte, ist in der Nacht zu Samstag Ziel eines US-Angriffs geworden. Dieser Vorfall hat weltweit Besorgnis ausgelöst, da Kharg der mit Abstand wichtigste Ölhafen Irans ist und etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte abwickelt. Die strategische Bedeutung der Insel, 26 Kilometer vor der Küste und etwa 483 Kilometer nordwestlich der wichtigen Straße von Hormus gelegen, ist immens. Jede Beschädigung der komplexen Infrastruktur für den Ölexport könnte gravierende Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt haben, nicht zuletzt, weil Iran im Falle eines Angriffs auf seine Ölanlagen Gegenangriffe in der gesamten Golfregion angekündigt hat.
Die Gewässer um Kharg sind einzigartig tief genug, um Supertanker aufzunehmen, die in den flacheren Küstengewässern des Festlandes nicht anlegen können. Iran ist der drittgrößte Produzent in der Opec und deckt etwa 4,5 Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Die tägliche Produktion beläuft sich auf rund 3,3 Millionen Barrel Rohöl, ergänzt durch 1,3 Millionen Barrel Kondensat und andere Flüssigkeiten. Ein Großteil dieser Ölexporte, insbesondere über Kharg, fließt nach China, dem größten Rohölimporteur der Welt. Trotz des anhaltenden Krieges exportierte Iran laut Daten von TankerTracker.com und Kpler weiterhin zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Barrel pro Tag.
Nach iranischen Berichten wurden bei den US-Angriffen über 15 Explosionen auf Kharg registriert, wobei Luftverteidigungsanlagen, ein Marinestützpunkt und Flughafeneinrichtungen getroffen wurden. Die Ölinfrastruktur soll jedoch unbeschädigt geblieben sein. US-Präsident Trump erklärte, er habe auf eine Zerstörung dieser Anlagen vorerst verzichtet, drohte jedoch, sie ins Visier zu nehmen, sollte Iran die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels geht, weiterhin zu blockieren versuchen. Diese Drohung unterstreicht die prekäre Lage in der Region und die Bedeutung der Meerenge für die globale Energieversorgung.
Experten warnen davor, dass selbst kleinere Störungen des komplexen Netzwerks aus Pipelines, Terminals und Lagertanks auf Kharg das weltweite Erdölangebot weiter verknappen und den Druck auf einen ohnehin volatilen Markt erhöhen könnten. Die iranische Regierung hat sich offenbar auf einen Angriff vorbereitet und Berichten zufolge die meisten Öltanks auf Kharg in den vergangenen Wochen geleert. Teheran droht zudem mit Vergeltungsschlägen gegen Ölanlagen in der gesamten Golfregion, sollten die USA oder Israel die Ölinfrastruktur auf der Insel tatsächlich angreifen. Diese Eskalationsspirale birgt erhebliche Risiken für die regionale und globale Stabilität.
