Das Drama um den Buckelwal in der Ostsee nimmt eine weitere Wendung: Nachdem sich das Tier am Freitag von einer Sandbank in der Lübecker Bucht befreien konnte, ist es nun erneut gestrandet – diesmal in der Wismarer Bucht, nahe der Vogelschutzinsel Walfisch. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) bestätigte die Sichtung und dankte allen beteiligten Kräften wie der Wasserschutzpolizei, dem Deutschen Meeresmuseum, dem ITAW und Greenpeace für ihren unermüdlichen Einsatz. Die Lage bleibt kritisch, da das gestresste Tier weiterhin in flachem Wasser feststeckt und die Sorge um sein Wohlergehen wächst.
Meeresbiologen wie Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum und Thilo Maack von Greenpeace beschreiben den Zustand des Wals als besorgniserregend. Obwohl das Tier noch Flossenbewegungen zeigt und atmet, sind deutliche Hautveränderungen sichtbar, und es gibt klagende Vokalisierungen von sich. Für Sonntag sind neue Rettungsversuche geplant, bei denen der Wal sanft in tieferes Wasser geleitet werden soll, ohne den Einsatz schwerer Geräte wie Bagger. Die Behörden bitten die Öffentlichkeit eindringlich, einen Sicherheitsabstand von mindestens 500 Metern einzuhalten, um weiteren Stress für das ohnehin schon desorientierte Tier zu vermeiden. Die Wasserschutzpolizei bleibt vor Ort, um Schaulustige fernzuhalten.
Die Ostsee ist kein natürlicher Lebensraum für Buckelwale. Experten wie Boris Culik weisen darauf hin, dass die geringe Nahrungskonzentration, der unpassende Salzgehalt und das Fehlen von Artgenossen den Wal stark belasten. Mögliche Ursachen für seine Verirrung könnten die Verfolgung von Heringsschwärmen, Unterwasserlärm von Schiffen oder sogar Sonnenstürme sein, die den inneren Magnetkompass der Wale stören. Greenpeace merkte zudem an, dass die Haut und der Stoffwechsel des Tieres unter den ungewohnten Bedingungen leiden, was Parasiten und Entzündungen begünstigt. Die Angst ist groß, dass der Wal, sollte er sich nicht befreien, aufgrund von Hunger und Erschöpfung stirbt.
Derzeit sondieren Behörden und Hilfsorganisationen weiterhin das Vorgehen. Unmittelbar neben der Sandbank in der Wismarbucht gibt es eine etwas tiefere Rinne, die dem Wal mit oder ohne Hilfe den Weg in tieferes Gewässer ermöglichen könnte. Eskort-Boote stehen bereit, um das Tier im Falle einer Befreiung zu begleiten und es in Richtung der Meerengen zwischen Deutschland und Dänemark zu leiten, damit es den Weg zurück in seinen natürlichen Lebensraum im Nordatlantik finden kann. Die Walfisch-Insel, vor der der Wal liegt, ist ein unbewohntes, 80 Hektar großes Naturschutzgebiet, das für bodenbrütende Vögel von großer Bedeutung ist.
