Trotz einer Welt voller Kriege, Energiepreisschocks und düsterer Wirtschaftsprognosen schütten die 40 DAX-Konzerne in diesem Jahr zusammen über 55 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus – so viel wie nie zuvor. Die allgemeine Wirtschaftsstimmung ist alles andere als optimistisch, geprägt von geopolitischen Risiken und verhaltenen Wachstumsaussichten. Doch diese negative Stimmung scheint die Dividendenausschüttungen der deutschen Top-Unternehmen nicht zu beeinflussen, die einen bemerkenswerten Rekordwert erreichen.
Laut einer Erhebung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY stiegen die Ausschüttungen der DAX-Firmen im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent auf insgesamt 55,3 Milliarden Euro an. Die Lage ist jedoch branchenabhängig: Während 25 DAX-Unternehmen ihre Dividenden erhöhten, zahlten zehn Konzerne weniger aus, und bei fünf Unternehmen blieb die Summe gleich. Besonders großzügig zeigten sich der Versicherungskonzern Allianz mit 6,5 Milliarden Euro (+9%) und die Deutsche Telekom mit 4,8 Milliarden Euro (+10%). Auch MTU Aero Engines (+64%), Commerzbank (+61%) und Deutsche Bank (+44%) verzeichneten starke Zuwächse.
Im Gegensatz dazu froren viele Automobilkonzerne ihre Ausschüttungen ein oder kürzten sie sogar drastisch. Mercedes-Benz reduzierte um 19 Prozent, die Porsche Automobil Holding um 21 Prozent und die Porsche AG sogar um 56 Prozent, nach einem massiven Gewinneinbruch von über 90 Prozent. Jan Brorhilker von EY bewertet die Rekord-Dividenden dennoch positiv als Zeichen des Vertrauens der DAX-Unternehmen, die noch „sehr gute Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt“ hätten. Die Zurückhaltung der Autobauer sieht er als verantwortungsvoll, bei der auch Aktionäre ihren Anteil beitragen müssten.
Für das kommende Jahr dämpft Brorhilker jedoch die Erwartungen. Er glaubt, dass die Ära der Rekorddividenden vorerst beendet ist und Anleger sich auf Rückgänge einstellen sollten. Die Dividendensumme werde voraussichtlich unter dem Niveau des laufenden Jahres bleiben. Dies deutet auf eine vorsichtigere Haltung der Unternehmen in Anbetracht der anhaltenden Unsicherheiten und wirtschaftlichen Herausforderungen hin.
