Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Lebendrettung des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals schwindet zusehends. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte am Montag, dass es immer unwahrscheinlicher wird, dass eine solche Rettung gelingen kann. Kein Wissenschaftler oder Veterinär rate den Behörden derzeit zu einer Lebendrettung, da ein solcher Versuch das ohnehin schon geschwächte Tier schweren Qualen aussetzen und es diesen nach Expertenmeinung wohl nicht überleben würde. Diese Einschätzung teilen unter anderem das Deutsche Meeresmuseum und Greenpeace bereits seit längerem, wodurch auch die Einstellung der Rettungsversuche in der vergangenen Woche begründet wurde. Die Behörden konzentrieren sich nun zunehmend auf die Vorbereitung der Bergung im Todesfall.
Am Sonntag hatte Minister Backhaus selbst noch eine Lebendrettung mittels Katamaran in die Nordsee ins Gespräch gebracht, diese Idee jedoch mittlerweile wieder verworfen. Stattdessen wird nun geprüft, ob ein dänischer Katamaran den Wal im Falle seines Todes bergen und zur Obduktion nach Stralsund bringen könnte. Währenddessen wird der lebende Wal weiterhin mit Ostseewasser bespritzt, um seine Schmerzen zu lindern, insbesondere die durch das salzarme Wasser stark geschädigte Haut. Erste Erfolge zeigen sich, da die benetzten Hautstellen deutlich kühler sind als die unbehandelten. Weitere Entscheidungen über das Vorgehen werden nach Auswertung neuer Daten und Gutachten am Dienstag erwartet.
Der 12,35 Meter lange und rund zwölf Tonnen schwere Wal ist bereits 50 bis 60 Zentimeter in den Ostseeboden eingesunken. Sichtbare Verletzungen, möglicherweise durch eine Schiffsschraube und ein Netz verursacht, sind hinzugekommen. Trotz der düsteren Prognosen und der Einstellung weiterer Rettungsversuche betonte Minister Backhaus, dass eine Tötung des Wals ausgeschlossen sei. Solange das Tier lebe, habe es ein Recht auf Rettung. Eine durchgehende „Walwache“ durch Polizei und Landesmitarbeiter wurde eingerichtet, um sich bis zuletzt um das Tier zu kümmern und eingereichte Rettungsvorschläge zu prüfen. In Wismar und auf Poel demonstrierten zahlreiche Menschen ihre Anteilnahme und forderten externe Expertise, während der Minister verbale Angriffe und Morddrohungen gegen Helfer scharf verurteilte.
Die Vorbereitungen für den Fall des Todes des Wals laufen bereits auf Hochtouren. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund plant eine schnelle Obduktion auf dem Dänholm, da der Verwesungsprozess rasch einsetzt. Die Herausforderung besteht im Transport des Kadavers, da die Brücke zum Dänholm für das hohe Gewicht ungeeignet ist und ein spezielles Schiff mit Kran benötigt wird. Das Skelett soll später für Forschung und Lehre gesichert werden. Der Buckelwal war seit Anfang März mehrfach in der Wismarbucht gesichtet, gestrandet und wieder freigekommen, bevor er sich Ende März endgültig vor Poel festsetzte. Meeresforscher sehen im Klimawandel einen indirekten Grund für die vermehrte Sichtung von Buckelwalen in Nord- und Ostsee.
