Südkoreas ehemaliger Präsident Yoon Suk Yeol ist wegen der Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das zentrale Bezirksgericht in Seoul befand den 65-Jährigen schuldig, einen Aufstand angeführt und die Verfassung des Landes untergraben zu haben. Der unabhängige Sonderermittler Cho Eun Suk hatte ursprünglich die Todesstrafe beantragt, obwohl in Südkorea seit den späten 1990er-Jahren ein inoffizielles Moratorium auf deren Vollzug besteht. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden. Dieser Prozess markiert den größten Strafprozess in Südkorea seit Jahrzehnten und hat landesweit für enormes Aufsehen gesorgt.
Die Verhängung des Kriegsrechts durch Yoon stürzte Südkorea im Jahr 2024 in eine monatelange tiefe Staatskrise. In einer Fernsehansprache begründete er seine Entscheidung damit, die freiheitliche Ordnung des Landes vor einer angeblich von Kommunisten und nordkoreanischen Sympathisanten unterwanderten Opposition schützen zu wollen. Beweise für diese schwerwiegenden Anschuldigungen legte er jedoch nicht vor. Kurz nach seiner Ansprache ließ er bewaffnete Soldaten die Nationalversammlung abriegeln. Eine größere Eskalation konnte jedoch abgewendet werden, da die Abgeordneten das Kriegsrechtsdekret in einer hastig einberufenen Abstimmung binnen weniger Stunden aufheben konnten. Trotz der schnellen Aufhebung wurde Präsident Yoon seines Amtes enthoben, festgenommen und anschließend angeklagt.
Dem Ex-Präsidenten wurde vorgeworfen, die Verhängung des Kriegsrechts von langer Hand geplant zu haben, um die verfassungsgemäße Ordnung des Landes zu zerschlagen und “enormen Schaden und großes Leid für Staat und Gesellschaft” zu verursachen. Zudem stand er in der Kritik, sich “kein einziges Mal aufrichtig bei der Öffentlichkeit entschuldigt” und keine Reue gezeigt zu haben. Ein weiterer schwerwiegender Anklagepunkt betraf die absichtliche Provokation eines Konflikts mit Nordkorea. Yoon soll im Herbst 2024 eine geheime Drohnenaktion auf nordkoreanischem Gebiet angeordnet haben, um eine militärische Reaktion Pjöngjangs herbeizuführen und so einen Vorwand für seine Kriegsrechtspläne zu schaffen. Dieses riskante Manöver ging jedoch nicht auf, da Nordkorea keine militärischen Gegenmaßnahmen ergriff.
Im Zuge des umfassenden Prozesses wurden auch weitere Mitglieder der damaligen Regierung verurteilt. Dazu gehören der frühere Verteidigungsminister Kim Yong-hyun, der eine 30-jährige Haftstrafe erhielt, der Nachrichtendienstoffizier Roh Sang-won mit 18 Jahren und der Polizeichef Cho Ji-ho mit zwölf Jahren. Bereits zuvor wurde Ex-Ministerpräsident Han Duck Soo zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt. Yoon selbst hatte stets alle Anschuldigungen zurückgewiesen und argumentiert, die Verhängung des Kriegsrechts gehöre zu den präsidialen Befugnissen zur Abwendung einer Krise. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Tausende seiner Anhänger, die seine Freilassung forderten und auf eine mögliche Begnadigung hoffen. Yoon wurde bereits in einem separaten Prozess wegen Justizbehinderung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Südkorea wird seit dem vergangenen Sommer vom links-zentristischen Präsidenten Lee Jae Myung regiert, einem langjährigen politischen Rivalen Yoons.
