Die Spannungen zwischen den USA und Iran erreichen einen neuen Höhepunkt, während in Genf die dritte Verhandlungsrunde über das iranische Atomprogramm läuft. US-Präsident Donald Trump heizte die Situation kurz vor Beginn der Gespräche erneut an, indem er Teheran vorwarf, wieder an seinem Atomprogramm zu arbeiten. Diese Anschuldigungen, die er bereits in seiner Rede zur Lage der Nation erhob, nähren Spekulationen über mögliche Militärschläge. Trumps scharfe Rhetorik geht mit einem verstärkten militärischen Aufgebot der Vereinigten Staaten im Nahen Osten einher. US-Außenminister Marco Rubio untermauerte die Bedenken Washingtons und erklärte, Iran versuche auch, Interkontinentalraketen zu entwickeln, die die USA erreichen könnten. Er verwies auf beobachtete Reichweitensteigerungen bereits vorhandener Raketen und äußerte sich verwundert, wie Iran trotz Sanktionen weiter investiere. Rubio bezeichnete dies als „untragbare Bedrohung“, da Iran bereits Waffen besitze, die große Teile Europas bedrohen könnten.
Mitten in dieser angespannten Atmosphäre haben in Genf die entscheidenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran begonnen. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner führen die Gespräche auf amerikanischer Seite. Die iranische Delegation geht mit einem neuen Entwurf für ein Abkommen in die Verhandlungen, dessen „Elemente bezüglich einer möglichen Vereinbarung“ Außenminister Abbas Araghtschi bereits präsentiert hatte. Iran hat kurz vor Beginn der neuen Runde zugesichert, ernsthaft und flexibel in die Gespräche zu gehen, um eine Lösung für den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zu finden. Die Vermittlerrolle zwischen den beiden Seiten übernehmen Vertreter Omans. Die iranischen Staatsmedien berichteten am Donnerstagvormittag über den Beginn dieser dritten Gesprächsrunde, deren Ziel es ist, den Weg für ein umfassendes Abkommen zu ebnen.
Iran widerspricht den US-Vorwürfen energisch und beteuert, niemals Atomwaffen entwickeln zu wollen. Präsident Massud Peseschkian erklärte, der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei habe Massenvernichtungswaffen per Fatwa, einem Rechtsgutachten aus den frühen Nullerjahren, verboten. Da Chamenei bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort habe, bedeute dies ganz klar, dass „Teheran keine Atomwaffen entwickeln wird“. Auch Außenminister Araghtschi bekräftigte in sozialen Medien, dass Iran „unter keinen Umständen jemals eine Atomwaffe entwickeln“ werde. Teheran betont seit Langem, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken, etwa der Energieerzeugung und der medizinischen Forschung. Die iranische Führung verweist auf die Zerstörung zentraler Teile des Atomprogramms durch US-Luftangriffe im vergangenen Jahr als Beweis für die Transparenz ihrer Absichten.
Die USA haben unmissverständlich mit einem Militärschlag gedroht, sollte keine Einigung in Genf erzielt werden. Trump hatte dies wiederholt gewarnt, zugleich aber betont, dass eine diplomatische Lösung bevorzugt werde. Innerhalb der US-Regierung gibt es bislang unterschiedliche öffentliche Darstellungen darüber, welche konkreten Ziele Washington mit einem neuen Abkommen verfolgt. Araghtschi zeigte sich zuversichtlich: „Eine Einigung ist in Reichweite, aber nur, wenn der Diplomatie Vorrang eingeräumt wird.“ Am Donnerstag könnte sich nun entscheiden, ob die USA und Iran im Streit um das Atomprogramm eine Einigung erzielen oder ob Donald Trump tatsächlich einen Angriff auf die Islamische Republik befiehlt. Die Verhandlungen in Genf sind somit ein potenzieller Wendepunkt für die Stabilität im Nahen Osten und die globale Sicherheit.
