Der Tour Montparnasse, seit Jahrzehnten als architektonischer „Schandfleck“ in Paris verschmäht, steht vor einer grundlegenden Metamorphose. Der 207 Meter hohe Wolkenkratzer prägt seit 53 Jahren die Skyline der Stadt und hat seit seiner Fertigstellung heftige Debatten ausgelöst. Während die atemberaubende Aussicht aus dem 56. Stockwerk unbestreitbar ist – von der man scherzhaft sagt, es sei der einzige Ort, von dem aus man den Turm selbst nicht sehen muss – führte sein Bau zu einem Verbot weiterer Hochhäuser im Stadtzentrum. Unter der Ägide der scheidenden Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der Federführung des renommierten Architekten Renzo Piano soll das ungeliebte Wahrzeichen nun harmonischer in das Stadtbild integriert und modernisiert werden.
Das ambitionierte Projekt „Tour Montparnasse Umbau“ verspricht eine tiefgreifende Erneuerung. Renzo Piano, bekannt dafür, das anfangs umstrittene Centre Pompidou in eine Pariser Ikone zu verwandeln, plant eine leichtere, transparentere Struktur für den Turm. Auch das umliegende Einkaufszentrum soll offener gestaltet werden. Ein zentraler Bestandteil des Entwurfs ist die umfassende Begrünung: Eine vertikale Fassadenbegrünung, ein weitläufiger Dachgarten und die Pflanzung von 151 Bäumen sollen das massive Erscheinungsbild ersetzen. Diese visionären Elemente, die in detaillierten Modellen beeindruckend aussehen, zielen darauf ab, den als „Monstrum“ empfundenen Bau in ein modernes, ökologisch bewusstes Wahrzeichen zu verwandeln und seine kontroverse Identität neu zu definieren.
Doch das Großprojekt ist nicht ohne Kritik. Umweltschützer und Stadtplaner bezeichnen die geplanten Änderungen lediglich als „Make-up für ein Monstrum“ und bemängeln, dass sie nicht weit genug gehen, um wirklich klimagerechte Stadtentwicklung zu fördern. Ein weiterer Streitpunkt ist die Tatsache, dass das Projekt nicht den ab 2024 geltenden, strengeren Pariser Regeln für klimafreundliches Bauen unterliegt. Die geschätzten Kosten von 700 Millionen Euro sorgen ebenfalls für öffentliche Empörung und rufen Fragen nach finanziellen Prioritäten auf. Bürgermeisterin Hidalgo musste für die Genehmigung sogar auf Stimmen der politischen Rechten angewiesen sein, was die politischen Komplexitäten und die öffentliche Skepsis gegenüber dem kostspieligen Vorhaben unterstreicht.
Der Tour Montparnasse wird am 31. März für eine unbestimmte Renovierungszeit geschlossen, nachdem bereits das Centre Pompidou im September für fünf Jahre seine Türen schloss. Touristen und Pariser werden somit vorübergehend einen ihrer einzigartigen Aussichtspunkte verlieren; die Stadtpanoramen werden dann vom Eiffelturm oder dem Montmartre-Hügel aus zu genießen sein, wo kurioserweise der Montparnasse-Turm selbst oft die Aussicht stört. Der Erfolg dieses umstrittenen Umbaus wird nicht nur für die architektonische Zukunft von Paris, sondern auch für das politische Erbe seiner Führung entscheidend sein, insbesondere im Vorfeld der bevorstehenden Kommunalwahlen. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Symbol des architektonischen Zwiespalts tatsächlich zu einem modernen, grüneren Wahrzeichen der „schönsten Stadt der Welt“ werden kann.
