Die Auswirkungen von Kriegen und Katastrophen wie Pandemien oder Hochwasser auf den schulischen Alltag sind immens. Diese extremen Belastungen erfordern spezifische pädagogische Ansätze und Strategien, um den Lehr- und Lernbetrieb aufrechtzuerhalten und Schülerinnen sowie Lehrkräfte mental zu unterstützen. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich die Notwendigkeit solcher Konzepte drastisch gezeigt, da Schulen nicht nur Orte des Wissenserwerbs, sondern auch Ankerpunkte der Normalität und Sicherheit in unsicheren Zeiten sein müssen. Die Frage, was Schulen konkret tun können, wenn ein Krieg ausbricht, ist von entscheidender Bedeutung für die Resilienz einer Gesellschaft.
Anja Besand, Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden, hat genau diese Herausforderung aufgegriffen. Ihre umfassende Forschung zu Kriegen, Krisen und deren Folgen für Schulen mündete in ein detailreiches pädagogisches Rahmenkonzept. Obwohl als „vorläufige Fassungen“ bezeichnet, umfassen ihre Dokumente bereits über 200 Seiten und bieten konkrete Tipps für Lehrkräfte und Schulleitungen. Das Konzept richtet sich speziell an Ausnahmezustände und liefert praxisnahe Leitlinien, um den Bildungsbetrieb unter widrigsten Umständen fortzuführen und die Betroffenen bestmöglich zu unterstützen.
Ergänzend zum Rahmenkonzept entwickelte Anja Besand ein umfangreiches Schulheft, das praktische Übungen und Inhalte für Schülerinnen und Schüler bereithält. Dieses Material ist darauf ausgelegt, Lernenden Werkzeuge an die Hand zu geben, um mit den psychologischen und praktischen Herausforderungen von Krisenzeiten umzugehen. Es fördert Resilienz, kritisches Denken und die Fähigkeit, in unsicheren Umfeldern handlungsfähig zu bleiben. Solche Ressourcen sind essenziell, um die Bildung auch dann zu gewährleisten, wenn die gewohnten Strukturen ins Wanken geraten und das Lernen unter extremen Bedingungen stattfinden muss.
Ein eindringliches Beispiel für die Umsetzung solcher Resilienz liefert die Universität von Tscherkassy in der Ukraine. Trotz Raketenbeschuss und massiver Zerstörung oder Beschädigung vieler Hochschulen im Land gelingt es dort, den Lehr- und Lernbetrieb aufrechtzuerhalten. Dies zeigt, dass mit angepassten Strategien, dem Engagement von Lehrkräften und der Nutzung kreativer Lösungen Bildung auch in den dunkelsten Stunden einen Weg finden kann. Besands Arbeit bietet einen wichtigen Beitrag, um solche Erfahrungen zu systematisieren und Schulen weltweit darauf vorzubereiten, ihre Rolle als Bildungseinrichtungen und Stabilitätsfaktoren in Krisenzeiten effektiv wahrzunehmen.
