Der ehemalige britische US-Botschafter Peter Mandelson ist im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal auf Kaution freigelassen worden. Mandelson, der als 72-jähriger Ex-Minister wegen Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt beschrieben wird, war am Montag festgenommen worden. Die Londoner Polizei bestätigte Hausdurchsuchungen an zwei Adressen und erklärte, dass die Ermittlungen in dem sensiblen Fall fortgesetzt werden. Details zu den Vorwürfen bleiben vorerst spärlich, da die Polizei keine weiteren Informationen preisgeben möchte.
Die Ermittlungen gegen Mandelson wurden Anfang des Monats eingeleitet, nachdem die Regierung von Premierminister Keir Starmer brisante Kommunikation zwischen dem ehemaligen Botschafter und dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein an die Polizei übergeben hatte. Mandelson, der sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert hat, war bereits im September von seinem Posten in Washington, D.C. abberufen worden, als das Ausmaß seiner Freundschaft zu Epstein öffentlich wurde. Premierminister Starmer gerät seinerseits unter Druck, da er Mandelson trotz dessen bekannter Verbindungen zu Epstein ernannt hatte, was Fragen über seine Urteilsfähigkeit aufwirft.
Mandelson ist nicht der einzige hochrangige Brite, der im Zuge der Epstein-Affäre in den Fokus der Ermittler gerückt ist. Vor ihm wurde bereits Prinz Andrew, der während seiner Zeit als Sonderbeauftragter für Handel sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben soll, festgenommen und nach einem Verhör unter Auflagen wieder freigelassen. Die Affäre hat auch in anderen europäischen Ländern Wellen geschlagen, was zu Rücktritten und Entschuldigungen von Diplomaten und Royals wie Mona Juul und Kronprinzessin Mette-Marit führte. In Frankreich trat der frühere Kulturminister Jack Lang von seinem Amt zurück, während Verbindungen zu prominenten Deutschen bislang nicht bekannt sind.
Jeffrey Epstein, der über Jahre hinweg ein weitreichendes System zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger betrieb, pflegte weltweit Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel. Seine Verhaftung im Juli 2019 und sein anschließender Tod in einer New Yorker Gefängniszelle, der als Suizid eingestuft wurde, haben eine globale Lawine von Enthüllungen ausgelöst. Die jüngste Veröffentlichung zahlreicher (teilweise geschwärzter) Unterlagen durch die US-Regierung nach massivem Druck der Öffentlichkeit sorgt weiterhin für Aufsehen und hält den Skandal, der nun auch die britische Monarchie und Regierung erschüttert, am Köcheln.
