Nach zähen Verhandlungen haben sich Gewerkschaften und Bundesländer auf eine umfassende Gehaltserhöhung für mehr als drei Millionen Beschäftigte und Pensionäre im öffentlichen Dienst der Länder geeinigt. Der Tarifabschluss sieht eine Steigerung von 5,8 Prozent über eine Laufzeit von zwei Jahren und drei Monaten vor. Diese Einigung bringt lang ersehnte finanzielle Verbesserungen für Lehrerinnen, Polizisten, Pflegekräfte, Erzieher und Verwaltungsmitarbeiter, die unter den Tarifvertrag der Länder (TV-L) fallen.
Die Gehaltsanpassungen erfolgen in mehreren Schritten, beginnend am 1. April, gefolgt vom 1. März 2027 und 1. Januar 2028. Dabei wird eine erste Erhöhung von mindestens 100 Euro garantiert, wovon insbesondere Geringverdiener profitieren. Nachwuchskräfte erhalten insgesamt 150 Euro mehr. Zudem werden die Zulagen für Schichtarbeit erhöht und Arbeitsbedingungen zwischen Ost- und Westdeutschland angeglichen, inklusive verbessertem Kündigungsschutz und reduzierter Arbeitszeit an ostdeutschen Unikliniken. Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel bezifferte die Gesamtkosten des Abschlusses auf 12,34 Milliarden Euro.
Die Verhandlungen waren äußerst schwierig. Ursprünglich forderten Verdi und der Beamtenbund sieben Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von nur einem Jahr – eine Forderung, die von den Ländern als „astronomisch“ und angesichts leerer Kassen sowie steigender Sozialausgaben als überhöht kritisiert wurde. Die Länder argumentierten, dass die Gehälter der Landesbeschäftigten bereits über der Inflation gestiegen seien und viele Berufsgruppen, wie Juristen oder Intensivpfleger, bereits gute Einkommen erzielten. Anfänglich boten sie nur fünf Prozent über einen längeren Zeitraum an.
Die Gewerkschaften hielten dem entgegen, dass ihre Mitglieder zu Recht mehr als einen Inflationsausgleich erwarteten, insbesondere angesichts hoher Mietpreise in Großstädten. Sie betonten die Notwendigkeit wettbewerbsfähiger Gehälter, um dem massiven Personalmangel im öffentlichen Dienst zu begegnen, wo über eine halbe Million Stellen unbesetzt sind und weitere 1,4 Millionen Beschäftigte in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Durch gezielte Streiks, unter anderem an Unikliniken und in Kitas, erhöhten die Gewerkschaften den Druck erheblich, um für die Länderbeschäftigten einen Abschluss auf dem Niveau von Bund und Kommunen zu erreichen, auch wenn ein zusätzlicher Urlaubstag diesmal nicht durchgesetzt werden konnte.
