Der tragische Tod des nicht einmal zweieinhalb Jahre alten Domenico hat in Italien und weit darüber hinaus tiefe Bestürzung ausgelöst. Der Junge, der mit einem schweren Herzfehler zur Welt kam, ist in der Monaldi-Klinik in Neapel verstorben, nachdem er fast zwei Monate im Koma an einer ECMO-Maschine lag. Sein Schicksal sorgte wochenlang für Schlagzeilen und eine Welle der Anteilnahme. Die offizielle Mitteilung der Klinik sprach von einer „plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands“, doch die Hintergründe seines Todes weisen auf einen schwerwiegenden Fehler im Transplantationsprozess hin. Dieser Fall wirft ein kritisches Licht auf die Abläufe und die Verantwortlichkeiten im Gesundheitswesen.
Kurz vor Weihnachten schien sich das Blatt für Domenico zu wenden: Ein geeignetes Spenderherz wurde gefunden, das von einem vierjährigen Jungen aus Südtirol stammte. Doch auf dem Transportweg von Bozen nach Neapel kam es zu einem verhängnisvollen Fehler. Das lebensrettende Organ wurde entgegen den Vorschriften nicht in herkömmlichem Eis bei etwa 4 Grad Celsius gekühlt, sondern wurde mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt gebracht. Temperaturen von rund minus 80 Grad Celsius führten dazu, dass das Spenderherz „buchstäblich erfroren“ und irreparabel beschädigt wurde. Trotz dieses fatalen Schadens wurde das Organ nach der Entnahme von Domenicos eigenem Herzen implantiert – eine Entscheidung, die im Nachhinein von anderen medizinischen Experten stark kritisiert wurde.
Nach der misslungenen Transplantation hielten Ärzte Domenico mittels einer ECMO-Maschine, einer Art künstlicher Lunge und Herz, am Leben, während die Suche nach einem weiteren Spenderherz lief. Diese Suche blieb jedoch erfolglos, und Domenicos Zustand verschlechterte sich zusehends, da auch andere lebenswichtige Organe, wie seine Nieren, zu versagen begannen. Ein Ärzteteam traf schließlich die schwere Entscheidung, dass eine erneute Operation und Transplantation zwecklos wäre, woraufhin sein Name von der Warteliste gestrichen wurde. Kurz vor seinem Tod spendete der Erzbischof von Neapel, Kardinal Domenico Battaglia, dem Jungen die Krankensalbung. Domenicos Mutter, Patrizia Mercolino, kündigte an, eine Stiftung im Namen ihres Sohnes gründen zu wollen, um sein Andenken zu ehren und anderen Kindern zu helfen.
Die Tragödie hat weitreichende Ermittlungen nach sich gezogen. Mehrere Staatsanwaltschaften untersuchen den Fall und ermitteln gegen sechs Ärzte und Sanitäter. Die beim Transport verwendete Kühlbox, die offenbar ein älteres Modell war, wurde beschlagnahmt, und es wird erwartet, dass die Ermittlungen auf weitere Verdächtige ausgeweitet werden könnten. Die Monaldi-Klinik in Neapel hat ihrerseits interne Prüfungen eingeleitet, und die beteiligten Ärzte wurden vorläufig von Herztransplantationen suspendiert. Besondere Empörung löste auch die Tatsache aus, dass die Eltern wochenlang im Unklaren über die wahren Gründe des Transplantationsmisserfolgs gelassen wurden und die Mutter die Details erst aus den Medien erfuhr. Der Fall Domenico wirft ernste Fragen zur Sicherheit, Transparenz und Ethik im Bereich der Organtransplantation auf und unterstreicht die Notwendigkeit sorgfältiger Prozesse und offener Kommunikation.
