Ein breites Bündnis aus 46 Verbänden, darunter die Bundesärztekammer und Foodwatch, fordert die Einführung einer “Limo-Abgabe” in Deutschland. Dieser Appell richtet sich an die Bundesregierung und die Delegierten des CDU-Parteitags. Hintergrund ist ein Antrag der CDU Schleswig-Holstein (H08), der eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke verlangt. Obwohl die Parteispitze der CDU bremst und die Ablehnung des Antrags empfiehlt, setzen sich die Verbände für den Schutz der Kindergesundheit und die Reduzierung von ernährungsbedingten Krankheiten ein. Die Debatte um die Zuckersteuer gewinnt damit überraschend an Fahrt, abseits anderer Parteitags-Themen. Befürworter sehen in der Abgabe ein wirksames Präventionsinstrument.
Der Antrag der CDU Schleswig-Holstein hebt hervor, dass der hohe Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke ein “besonderes Problem” darstellt, da der Zuckergehalt für Verbraucher oft schwer einschätzbar ist und Kinder sowie Jugendliche unbewusst große Mengen Zucker aufnehmen. Eine einzelne Flasche Limonade kann demnach ein Vielfaches der empfohlenen Tagesmenge enthalten. Die gravierenden Folgen sind besorgniserregend: Rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist übergewichtig, ein erheblicher Teil davon adipös. Die vorgeschlagene “maßvoll ausgestaltete Zuckersteuer im Sinne einer Verbrauchsteuer” wird als marktwirtschaftlicher Ansatz beschrieben, der über Preise lenkt und Hersteller anregen soll, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu reduzieren.
Trotz der dringenden Forderungen und wissenschaftlicher Belege stößt der Vorschlag in der CDU-Spitze auf Widerstand. Die Antragskommission empfiehlt den Parteitagsdelegierten die Ablehnung, um Debatten über Steuererhöhungen zu vermeiden. Die 46 unterstützenden Verbände, darunter die Deutsche Krebshilfe, betonen in ihrem offenen Brief die “alarmierende Entwicklung im Bereich ernährungsbedingter Erkrankungen” und rasant steigende Folgekosten. Sie verweisen auf die Weltgesundheitsorganisation, die zuckergesüßte Getränke als “zentralen Treiber für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Karies” identifiziert hat. Berechnungen prognostizieren, dass eine solche Steuer Hunderttausende Erkrankungen verhindern und bis zu 16 Milliarden Euro an Folgekosten einsparen könnte, was Beitragszahler und Krankenkassen entlasten würde.
Eine Foodwatch-Auswertung zeigt, dass Deutschland im Vergleich zu den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Staaten das größte Limonaden-Problem hat: Mit durchschnittlich 25,7 Gramm Zucker pro Tag aus Erfrischungsgetränken liegt Deutschland an erster Stelle. Die öffentliche Meinung stützt die Abgabe ebenfalls: Eine Forsa-Umfrage ergab, dass 60 Prozent der Befragten, und sogar 65 Prozent in Haushalten mit Kindern, eine gestaffelte Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Süßgetränke befürworten. Dies unterstreicht den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für eine Maßnahme, die als notwendig erachtet wird, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und die Belastung des Gesundheitssystems zu mindern.
