Im vergangenen Oktober sorgte eine ungewöhnliche Entdeckung in Bannewitz bei Dresden für Aufsehen: Zehn, jeweils 30 Gramm schwere Goldbarren, noch originalverpackt, wurden von Mitarbeitern des Abwasserbetriebs bei Grasmäharbeiten an einem Regenrückhaltebecken gefunden. Bürgermeister Heiko Wersig schickte umgehend das Ordnungsamt zur Fundstelle, wo zwei weitere Barren entdeckt wurden. Da der Fundort und die Art der Auslage (“wie ein Fächerwurf aus dem Auto”) den Verdacht einer Flucht oder Verfolgung aufkommen ließen, wurde die Polizei hinzugezogen. Die Ermittlungen blieben jedoch ergebnislos, und die Goldbarren lagern seither in der Asservatenkammer in Dresden.
Seitdem sucht Bürgermeister Heiko Wersig (parteilos) öffentlich nach dem rechtmäßigen Eigentümer des Goldes. Die Resonanz war groß, wenn auch kurios: Rund zwölf bis 15 angebliche Besitzer meldeten sich mit den unterschiedlichsten Geschichten. Ein Spaziergänger behauptete, ihm sei das Gold “aus der Tasche gefallen”, ein anderer sprach von einer abgestürzten Drohne, die angeblich Gold transportierte. Besonders kreativ fand der Bürgermeister diese Begründung. Auch eine Bürgerin, die Opfer eines Enkeltricks wurde und Goldmünzen herausgegeben hatte, erkundigte sich, ob es sich um ihren Schatz handelte. Bislang konnte jedoch niemand glaubhaft belegen, dass ihm das Gold gehört.
Der Nachweis des Eigentums ist an klare Bedingungen geknüpft: Die auf den eingeschweißten Goldbarren befindliche Registrierung des Herstellers muss mit einer entsprechenden Rechnung oder einem Beleg übereinstimmen. Ohne diesen eindeutigen Beweis kann kein Anspruch geltend gemacht werden. Die Meldefrist für den Eigentümer läuft am 17. April ab. Verstreicht dieser Termin ungenutzt, geht der Fund nach Paragraph 973 BGB des deutschen Fundrechts in den Besitz des Finders über – in diesem Fall der Gemeinde Bannewitz. Bürgermeister Wersig hofft darauf, das Gold dann nach Bannewitz holen und selbst die Herkunft über die Registrierung weiter erforschen zu können.
Für die Gemeinde Bannewitz mit ihren 11.000 Einwohnern wäre der Goldfund ein willkommener “angenehmer Geldregen”. Heiko Wersig hat bereits Pläne für die Verwendung des Erlöses: Er möchte das Geld in die lokalen Vereine reinvestieren, die sich aktiv um die Gemeinschaft kümmern. Dazu gehören die Feuerwehr, Seniorenvereine, zwei Sportvereine und zwei Musikschulen. Trotz dieser attraktiven Aussicht betont der Bürgermeister, dass er sich am meisten wünschen würde, den ehrlichen Eigentümer zu finden, da er “nichts behalten will, was mir nicht zusteht”. Der Aufruf ist mittlerweile deutschlandweit bekannt, und der wahre Besitzer hätte genug Möglichkeiten gehabt, sich zu melden.
