Die elektronische Patientenakte (ePA), die vor einem Jahr eingeführt wurde, steht massiv in der Kritik. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, bezeichnet den Registrierungsprozess als „absurd kompliziert“, was selbst digital affine Patienten frustriere. Viele wissen laut Beier nicht einmal, dass sie eine ePA besitzen, was die geringe Nutzungsrate erklärt. Hausärzte bemängeln zudem die mangelnde Praxistauglichkeit und die Unübersichtlichkeit der Akte.
Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert eine dringende Weiterentwicklung der ePA. Es fehlten zentrale Funktionen wie digitale Impf- oder Bonushefte. Ramona Pop, Vorständin des vzbv, betont die Notwendigkeit einer granularen Zugriffsverwaltung, damit Patienten genau einstellen können, welche Praxis auf welche sensiblen Informationen zugreifen darf – beispielsweise psychotherapeutische Befunde nur für den Hausarzt, nicht aber für den Zahnarzt. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa bestätigt, dass fast Dreiviertel der Befragten ihre ePA nicht aktiv nutzen, oft aus mangelndem Interesse, fehlendem Nutzen (33 Prozent) oder Datenschutzbedenken (13 Prozent).
Aus Sicht der Ärzte ist die ePA derzeit vor allem eine „unsortierte PDF-Sammlung“, die im Alltag der Praxen kaum nutzbar ist. Es fehle eine Volltextsuche, und Ärzte müssten sich mühsam durch zahlreiche Dokumente arbeiten. Ein gravierendes Problem sei auch die störungsanfällige Technik und die massiven Ausfälle des Netzwerks, auf dem die ePA läuft. Dies verursache einen enormen Zeitaufwand und großen Frust in den Praxen. Trotzdem würden die meisten Praxen die ePA nutzen und Dokumente einstellen.
Beier resümiert, dass die ePA nicht an den Praxen scheitere, sondern an der „mangelhaften Umsetzung und der störungsanfälligen Technik“. Obwohl rund 70 Millionen gesetzlich Versicherte eine ePA angelegt bekommen haben, nutzen sie bisher nur vier Millionen aktiv. Ab Oktober 2025 sind Praxen und Kliniken verpflichtet, wichtige Daten wie Befunde und Laborwerte einzustellen. Die Vision einer lebenslangen Begleitung und besseren Behandlung der Patienten durch die E-Akte bleibt vorerst durch die technischen und strukturellen Mängel getrübt.
