Nach mehreren Verschiebungen steht die NASA-Mission Artemis 2 erneut vor einem Startversuch. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 0:24 Uhr MESZ könnte die SLS-Rakete mit dem Orion-Raumschiff abheben. Ziel ist es, den Weg für künftige bemannte Mondlandungen zu ebnen. An Bord befinden sich die US-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der Kanadier Jeremy Hansen. Dies markiert den ersten bemannten Flug zum Erdtrabanten seit dem Ende der Apollo-Ära vor über 50 Jahren und dient der abschließenden Prüfung der Mondflugtauglichkeit des Orion-Raumschiffs mit Besatzung. Artemis 1 umrundete den Mond bereits 2022 erfolgreich, aber unbemannt. Die Mission ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur langfristigen menschlichen Präsenz auf dem Mond.
Der Flug von Artemis 2, der den Mond umrunden wird, weist Parallelen zu historischen Missionen auf, unterscheidet sich aber auch maßgeblich. Während Apollo 8 im Jahr 1968 eine Kreisbahn um den Mond einschwenkte und so zehnmal den ikonischen “Earthrise” erlebte, wird Artemis 2 sich lediglich einmal von der Anziehungskraft des Mondes in einem weiten Bogen herumschleudern lassen. Dies ähnelt eher der Rettungsmission von Apollo 13 im Jahr 1970 nach einer Explosion. Ein technologisches Upgrade für Artemis 2 ist die Fähigkeit zur autonomen Positionsbestimmung mithilfe eines deutschen Starttrackers, was die Abhängigkeit von Messdaten der Erde reduziert. Kameras innen und außen sollen der Besatzung zudem detaillierte Informationen über mögliche Schäden liefern, eine Lektion aus den Erfahrungen von Apollo 13.
Eine unvorhersehbare Gefahr für die Besatzung von Artemis 2 stellt die Sonne dar, die sich aktuell auf dem Höhepunkt ihres 11-jährigen Aktivitätszyklus befindet. Ein Sonnensturm könnte gefährliche Strahlung und Teilchenschauer in Richtung Erde und Mond schleudern. Die NASA hat einen Notfallplan entwickelt: Die Astronauten würden sich in den leeren Ladebuchten des Raumschiffs verschanzen, die mit dem Inhalt der Buchten als zusätzlichem Schutz ausgekleidet werden. Dort könnten sie, über ihre Raumanzüge mit Atemluft versorgt, Minuten bis Stunden verbringen. Um die Auswirkungen kosmischer Strahlung besser zu verstehen, führt Artemis 2 eine einzigartige Studie durch: Jedes Besatzungsmitglied hat eine aus Stammzellen gezüchtete Knochenmarksprobe an Bord, die nach der Rückkehr auf Veränderungen untersucht wird.
Die Artemis-Missionen sind langfristig angelegt. Ursprünglich für 2028 geplant, sollen erst mit Artemis 4 und 5 wieder Menschen auf der Mondoberfläche landen, während Artemis 3 zunächst eine Mondlandefähre in der Erdumlaufbahn testen soll. Die NASA hatte auch Pläne für eine Raumstation in der Mondumlaufbahn, die in der aktuellen Planung nicht mehr explizit erwähnt wird. Während Artemis 1 noch Puppen mit Strahlungssensoren an Bord hatte, um die Wirksamkeit einer Strahlenschutzweste zu testen – ein Experiment unter Federführung des DLR – verzichtet Artemis 2 auf solche Westen und vertraut auf die Schutzwirkung der Ladebuchten. Auch der jüngste Testflug von SpaceX, bei dem beide Raketenstufen explodierten, unterstreicht die Komplexität und Risiken der Raumfahrt.
