Eine ungewöhnliche, doch zukunftsweisende Initiative prägt die Gastronomie-Landschaft auf Teneriffa: Eine deutsche Berufsschule vermittelt jungen Spanierinnen und Spaniern nicht nur die Grundlagen des Service, sondern auch die Feinheiten und hohen Ansprüche der deutschen Hotellerie und Gastronomie. Ziel ist es, die Auszubildenden auf anspruchsvolle Berufe vorzubereiten und ihnen die Fähigkeiten an die Hand zu geben, die von internationalen Gästen, insbesondere aus Deutschland, erwartet werden. Die Ausbildung geht dabei weit über das reine Servieren von Speisen und Getränken hinaus und legt einen besonderen Fokus auf Qualitätsstandards und Kundenorientierung.
Der Lehrplan umfasst praktische Fertigkeiten wie das akkurate Eindecken von Tischen und das Zubereiten deutscher Spezialitäten wie Maultaschen. Doch wie die Ausbilderin Kathleen Rauchfuß eindrücklich demonstriert, liegen die Herausforderungen oft im Detail. Eine üppige Falte in der Tischdecke, falsch platzierte Gläser, ein Pfefferstreuer anstelle des Salzstreuers oder eine Untertasse als Brotteller – kleine Abweichungen, die im deutschen Verständnis von perfektem Service nicht tolerierbar sind. Rauchfuß’s kritischer Ausruf „Was haben wir denn hier? Das Alpenvorland?“ unterstreicht den Anspruch, Präzision und Ordnung zu vermitteln, die typisch für deutsche Dienstleistungsstandards sind.
Ein weiterer zentraler Pfeiler der Ausbildung ist der Umgang mit anspruchsvollen oder gar „renitenten Gästen“. Diese Fähigkeit ist im Tourismus, insbesondere dort, wo unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, von entscheidender Bedeutung. Die Schule bereitet ihre Schülerinnen und Schüler darauf vor, auch in schwierigen Situationen professionell und lösungsorientiert zu agieren, Reklamationen souverän zu handhaben und stets einen hervorragenden Service zu gewährleisten. Es geht darum, nicht nur zu bedienen, sondern auch zu verstehen, welche Erwartungshaltung ein Gast, der die deutsche Servicekultur gewohnt ist, mitbringt.
Durch diese umfassende Schulung werden die jungen Spanierinnen und Spanier optimal auf eine Karriere im internationalen Gastgewerbe vorbereitet. Sie erwerben nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern auch interkulturelle Kompetenzen und ein tiefes Verständnis für die Erwartungen deutscher Gäste. Dies fördert nicht nur die beruflichen Perspektiven der Auszubildenden, sondern trägt auch dazu bei, die Servicequalität auf Teneriffa insgesamt zu heben und die Insel als attraktives Reiseziel für deutsche Urlauber noch weiter zu etablieren. Eine Investition in Bildung, die sich für beide Seiten auszahlt: für die jungen Talente und für den Tourismusstandort Spanien.
