Die Welt blickt besorgt auf den Pazifik, wo sich Anzeichen für ein potenziell sehr starkes El-Niño-Ereignis mehren. Klimaforscher, darunter Friederike Otto, warnen vor einer “realen Gefahr”, dass dieses Naturphänomen die globale Temperatur zusätzlich anheizen und Extremwetter verstärken könnte. Da 2023 bereits das heißeste Jahr war, würde ein starker El Niño die aufgeheizte Erde enorm belasten. Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser nach Westen; bei El Niño schwächen sie sich ab, was zu Starkregen und Wirbelstürmen in Südamerika sowie Dürren und Waldbränden auf der anderen Pazifikseite führt. Das nach dem “Christkind” benannte Phänomen kostet die Weltwirtschaft oft Billionen Euro.
Der Ausdruck “Super-El-Niño” ist kein offizieller Fachbegriff; US-Behörden wie die NOAA weisen auf fehlende Standarddefinitionen hin. Er bezeichnet aber ein außergewöhnlich starkes Ereignis mit hohen Temperaturabweichungen (potenziell 1,5 bis 2 Grad Celsius) im Niño-3.4-Gebiet des Pazifiks. Die letzten vergleichbaren Ereignisse gab es 1997/98 und 2015/2016. Trotz der Anzeichen mahnt Daniela Matei zur Vorsicht: Frühere Prognosen, etwa 2014, sahen ebenfalls ein starkes Ereignis voraus, das sich dann abschwächte. Eine belastbare Einschätzung der tatsächlichen Stärke sei erst in einigen Monaten möglich, da die Prognosen derzeit “sehr unsicher” sind.
Die größte Sorge der Klimaforscher gilt den Folgen eines starken El Niño, der auf eine durch Treibhausgase bereits deutlich wärmere Welt trifft. Friederike Otto betont, El Niño werde die Auswirkungen des Klimawandels massiv verschärfen – mit noch heißeren Hitzewellen, gravierenderen Dürren und extremeren Waldbränden. Es fungiert als natürlicher Verstärker auf einer bereits erhöhten Grundlinie der globalen Temperatur. El Niño erzeugt keine “neue” Erwärmung, sondern addiert einen zusätzlichen natürlichen Wärmeschub auf den langfristigen, menschengemachten Erwärmungstrend. Solange Kohle, Öl und Gas verbrannt werden, steigt das Risiko, dass natürliche Klimaschwankungen wie El Niño immer gefährlicher wirken.
Auch Europa kann die Auswirkungen spüren, obwohl es nicht im direkten Zentrum liegt. Matei verweist auf mögliche Kälteeinbrüche im Winter und stärkere Hitzebelastung im Sommer in Südeuropa. Die wirtschaftlichen Folgen sind global: Dürren und Ernteausfälle in anderen Weltregionen beeinflussen Märkte, Lieferketten und Preise. Dieser indirekte Effekt dürfte in Europa oft früher spürbar werden als direkte Wettersignale. Gegen das natürliche Phänomen El Niño lässt sich nichts tun, doch die Anstrengungen gegen die menschengemachte Erderwärmung müssen verstärkt werden, um zukünftige globale Hitzeschübe zu begrenzen.
