Papst Leo XIV. hat Heiner Wilmer zum neuen Bischof von Münster ernannt und ihn damit mit päpstlichem Segen zum neuen starken Mann der katholischen Kirche in Deutschland gemacht. Spekulationen um eine Kardinalsernennung begleiten seinen Amtsantritt. Wilmers Wurzeln im emsländischen Schapen, nahe dem Münsterland, prädestinieren ihn für die Region. Als Bauernsohn findet er leicht den Draht zu den Menschen. Er bringt umfassende Bildung, tiefe Spiritualität und ein breites internationales Netzwerk mit, was ihn aus Sicht des Domkapitels zur idealen Wahl machte. Wilmer kann in Münster akademisch wirken, in Kevelaer Spiritualität leben, mit Landwirten in Vechta sprechen und im Ruhrgebiet soziale Fragen als Herz-Jesu-Priester thematisieren – ein vielseitiges Profil für das Bistum, das ihn sofort fordern wird.
Ab Sommer erwartet Heiner Wilmer eine immense Doppelbelastung: Er muss sich in die facettenreiche Diözese Münster mit ihrem selbstbewussten Klerus einarbeiten und zugleich als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz agieren. Diese Konstellation ist historisch einmalig: Erstmals wird der Bischofskonferenzvorsitzende auch Bischof des mitgliederstärksten deutschen Bistums sein, und erstmals wechselt ein Vorsitzender nach seiner Wahl das Bistum. Die Entscheidung des Domkapitels in Münster erfolgte höchstwahrscheinlich nach Wilmers Kür in Würzburg. Die notwendige politische Unbedenklichkeitserklärung der niedersächsischen Staatskanzlei erfolgte am 24. März, kurz vor der Bekanntgabe seiner Vorstellung im Dom.
Im Gegensatz zu Hildesheim bietet Münster Wilmer eine ungekannte Gestaltungsmacht. Das Bistum ist das mitgliederstärkste in Deutschland, finanziell gut aufgestellt, verfügt über mehr Priester, ein vielfältiges Ordensleben und namhafte Wallfahrtsorte. Vier Weihbischöfe können Wilmer entlasten, wenn er bundesweit als Bischofskonferenzvorsitzender unterwegs ist. Eine Win-Win-Situation: Münster gewinnt durch Wilmers Vorsitz zusätzliches Gewicht, und Wilmer selbst erfährt durch das große Bistum eine Stärkung. Seine Ernennung durch Papst Leo XIV. (sic) ist eine Schlüsselentscheidung für die deutsche Kirche. Wilmer gilt als Mann des Ausgleichs, der Positionen moderieren und theologisch zusammenführen kann. Mit “römischem Rückenwind” soll er Spannungen abbauen und könnte zudem eine beratende Funktion an der Römischen Kurie übernehmen.
Das Bistum Hildesheim muss nun einen Nachfolger für Wilmer finden, dessen Ernennung wohl nicht mehr in diesem Jahr erfolgt. Bis zu seiner Amtseinführung in Münster am 28. Juni wird Wilmer zwischen den Bistümern pendeln. In Hildesheim wird die Frage nach dem Anforderungsprofil des neuen Bischofs zentral sein, insbesondere die Einbindung von Laien in den Wahlprozess, eine wichtige Forderung des “Synodalen Wegs”. Wilmers Amtszeit in Hildesheim war stark von der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt geprägt; er initiierte zwei Studien. Der Betroffenenrat Nord äußerte sich überrascht und bedauerte seinen Wechsel inmitten einer laufenden Studie. Nach Wilmers Amtsantritt in Münster wird in Hildesheim ein Diözesanadministrator gewählt, der die Übergangszeit managt.
