Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat seine Kritik am Iran-Krieg angesichts der Drohungen von US-Präsident Trump erneut bekräftigt. Sein Credo: “Nein zum Krieg in Iran!” Sánchez erinnerte eindringlich an den Irak-Krieg vor gut 20 Jahren, der der Menschheit keinerlei Mehrwert gebracht hatte, sondern eine Migrationskrise im Mittelmeerraum und ein Erstarken islamistischer Extremisten zur Folge hatte. Er betonte, dass die langfristigen Folgen eines Iran-Konflikts noch gar nicht abschätzbar seien und die Ziele der Angriffe unklar blieben. Diese klare Positionierung Spaniens hat den Zorn des US-Präsidenten auf sich gezogen, dessen Verbalattacken Sánchez jedoch weitgehend ignorierte.
Sánchez ging auf die Verbalattacken gegen Spanien vom US-Präsidenten und zuvor auch vom israelischen Außenminister nur in einem Nebensatz ein. Er verurteilte jene, “die ihre Probleme nicht in den Griff bekommen, jetzt den Rauch des Krieges einsetzen, um ihr Scheitern zu verschleiern und damit nur wieder die Taschen einiger weniger füllen.” Dies war eine indirekte, aber deutliche Reaktion auf Trumps Drohung eines Handelskrieges gegen Spanien, weil das Land US-Kriegsflugzeuge de facto des Landes verwiesen hatte. Im Hintergrund melden die US-Militärs indes fast 2.000 Angriffe auf Ziele im Iran und rühmen ihre eigene Schlagkraft – ein Zeichen der Eskalation, dem sich Spanien entgegenstellt.
Die möglichen Wirtschaftssanktionen der USA werden in Spanien von Experten und Kommentatoren intensiv durchdiskutiert. Die Hoffnung ist, dass die Auswirkungen überschaubar bleiben könnten, da nur etwa vier Prozent der spanischen Exporte in die USA gehen. Zudem würde es für Trump schwierig, Spanien gezielt zu treffen, ohne andere europäische Länder wie Frankreich oder Portugal zu schädigen, etwa durch Zölle auf Wein oder Olivenöl. Wirtschaftsprofessor Omar Rachedi von der ESADE-Universität in Madrid warnte jedoch vor einem Embargo, einem Sanktionsregime, das einen direkten Handel unterbinden und einen viel unmittelbareren wirtschaftlichen Schlag verursachen könnte. Spanien erhofft sich in dieser Situation Rückendeckung aus Brüssel, da die Handelspolitik über die EU läuft.
Trotz der erwarteten EU-Unterstützung vermisst Spaniens Außenminister José Manuel Albares die Solidarität Deutschlands. Er zeigte sich unverständlich darüber, dass Bundeskanzler Friedrich Merz neben US-Präsident Trump saß und nicht reagierte, als dieser Spanien beschimpfte. Albares zog einen Vergleich zu Spaniens Solidarität mit Dänemark bei Zolldrohungen wegen Grönlands Unabhängigkeit. Er hob hervor, dass der europäische Geist unter Merz’ Vorgängern Angela Merkel und Olaf Scholz ein anderer gewesen sei. Diese diplomatische Kritik unterstreicht die inner-europäischen Spannungen und Spaniens Forderung nach verstärkter Solidarität angesichts der geopolitischen Herausforderungen und des Drucks aus Washington.
