Die jährliche Zeitumstellung, bei der die Uhren erneut vorgestellt wurden, sorgt wie gewohnt für Gesprächsstoff und Unbehagen bei vielen Menschen. Obwohl 1980 in Deutschland eingeführt, um Energie zu sparen – eine Rechnung, die sich als falsch erwies – bleibt sie eine Quelle der Debatte. Eine Umfrage der EU-Kommission von 2018 zeigte deutlich: 84 Prozent der Befragten wünschen sich keine Zeitumstellung mehr. Dieser Wunsch findet auch breite Unterstützung in der Wissenschaft, wo Schlafforscher die negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus betonen. Die Frage ist also nicht nur eine des Komforts, sondern hat handfeste biologische Grundlagen, die es zu verstehen gilt. Die wiederkehrende Prozedur des Uhrenstellens zweimal im Jahr fordert den Körper mehr, als viele annehmen.
Schlafforscherin Eva Winnebeck von der Universität Surrey, die ein Positionspapier der British Sleep Society mitverfasst hat, sowie die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin sind sich einig: Der Biorhythmus und die Schlafqualität leiden massiv unter der Zeitumstellung. Insbesondere der Übergang zur Sommerzeit, bei dem die Uhren vorgestellt werden, bedeutet einen erzwungenen Schlafverlust von einer Stunde. Da der biologische Rhythmus nicht einfach willkürlich angepasst werden kann, führt dies zu anfänglicher Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Diese unmittelbaren Folgen sind nicht zu unterschätzen. Studien zeigen, dass in den Tagen nach der Umstellung die Unfallrate ansteigt und sogar das Risiko für Herzinfarkte zunimmt, was als Stress für das gesamte menschliche System interpretiert wird. Langfristige gesundheitliche Risiken wie ein erhöhtes Diabetes-Risiko werden ebenfalls diskutiert.
Der Schlafmediziner Dieter Kunz vom St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte ergänzt diese Perspektive durch den Hinweis, dass langfristige Studien zur Zeitumstellung schwierig sind, da sich gleichzeitig auch andere externe Faktoren wie die Tageslänge und die Temperatur ändern. Seine eigene Forschung konzentriert sich darauf, wie sich das Gehirn und der Stoffwechsel – beispielsweise der Serotoninumsatz – mit der wechselnden Tageslänge über das Jahr hinweg anpassen. Kunz stellt fest, dass der Mensch im Winter quasi in einem „Energiesparmodus“ ist und länger schläft, im Sommer hingegen fast eine Stunde weniger Schlaf benötigt, unabhängig von der Uhrzeit. Er argumentiert, dass die Zeitumstellung “sehr für die Physiologie des Menschen gebaut ist”, da sie diesen natürlichen saisonalen Veränderungen entgegenkommt.
Trotz der genannten akuten Probleme plädieren die meisten Fachgesellschaften, darunter die British Sleep Society und die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin, für eine dauerhafte Beibehaltung der Winter- oder Normalzeit. Eine permanente Sommerzeit wird von den Experten einstimmig abgelehnt, da sie über weite Teile des Jahres zu einem Mangel an Tageslicht führen würde, an dem sich unsere inneren Uhren primär ausrichten – nicht an der willkürlich eingestellten Uhrzeit. Winnebeck sieht in der Zeitumstellung, falls eine permanente Normalzeit nicht durchsetzbar ist, die zweitbeste Lösung, um den saisonalen Schwankungen des Lichtbedarfs Rechnung zu tragen. Die Diskussion zeigt, dass eine Abschaffung der Zeitumstellung zwar von vielen gewünscht wird, die beste Alternative jedoch weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Debatten ist, wobei der Erhalt des natürlichen Tageslichts für den Biorhythmus als entscheidend gilt.
