Der Volkswagen-Konzern steckt in einer tiefen Krise, die sich mit der jüngsten Bilanz deutlich verschärft hat. Der Gewinn des größten europäischen Autoherstellers ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um knapp die Hälfte auf nur noch 6,9 Milliarden Euro eingebrochen – der schlechteste Wert seit der Diesel-Krise. Gleichzeitig kündigte Konzernchef Oliver Blume einen massiven Stellenabbau an: Bis 2030 sollen konzernweit rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Ein Großteil davon, etwa 35.000, betrifft die Kernmarke VW, während auch Töchter wie Audi, Porsche und die Software-Einheit Cariad Tausende Stellen über Altersteilzeit und Abfindungen reduzieren müssen. Betriebsbedingte Kündigungen sind dabei ausgeschlossen.
Das Kernproblem ist laut Blume nicht fehlende Nachfrage, da der Umsatz nur geringfügig sank und die Verkaufszahlen kaum zurückgingen. Vielmehr belasten externe Faktoren wie geopolitische Spannungen, Zölle und eine hohe Wettbewerbsintensität das Ergebnis. Allein die US-Zölle kosteten Volkswagen demnach rund drei Milliarden Euro. Neben diesen äußeren Einflüssen plagen den Konzern aber auch hausgemachte Schwierigkeiten. Insbesondere die Sportwagen-Tochter Porsche, einst ein zuverlässiger Gewinnbringer, hat sich zum Sorgenkind entwickelt.
Porsches Bilanz fiel verheerend aus, der Gewinn brach von 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf nur noch magere 90 Millionen Euro ein. Hauptgrund hierfür sind Milliardeninvestitionen in neue Verbrenner-Modelle, ein Strategiewechsel, der die Konzernbilanz mit fast fünf Milliarden Euro belastet. Dieser Gewinneinbruch bei VW und Porsche wirkte sich auch auf Oliver Blumes Gehalt aus, das im Vergleich zum Vorjahr um rund drei Millionen Euro sank. Interessanterweise tragen nicht mehr primär die Luxusmarken wie Porsche und Audi mit Bentley und Lamborghini den Konzern, sondern die Volumenmarken VW, Škoda und Seat/Cupra rücken als Stützen in den Vordergrund. Die Zukunft des VW-Werks in Osnabrück bleibt derweil ungewiss, mit Gesprächen über eine mögliche Übernahme durch Rüstungsunternehmen.
Die Krise bei Volkswagen spiegelt einen branchenweiten Trend wider, denn auch Rivalen wie Mercedes-Benz verzeichneten deutliche Gewinneinbrüche und leiten harte Sparprogramme ein. Dennoch blickt der VW-Vorstand für das aktuelle Jahr verhalten optimistisch in die Zukunft, mit Prognosen einer Erholung der Gewinnmarge auf vier bis 5,5 Prozent und einem leichten Umsatzwachstum von null bis drei Prozent. Trotz des massiven Stellenabbaus und der tiefen Einbußen bleibt die Hoffnung, dass die eingeleiteten Maßnahmen den Konzern wieder auf Kurs bringen können, auch wenn der Weg steinig sein dürfte.
