Eine Geschworenenjury in San Francisco hat den umstrittenen Milliardär Elon Musk wegen Betrugs an Twitter-Aktionären im Zuge der 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Kurznachrichtendienstes haftbar gemacht. Dieses Urteil, das am Freitag (Ortszeit) verkündet wurde, markiert einen bedeutenden Rückschlag für den reichsten Mann der Welt. Ihm wurde in dem Zivilprozess vorgeworfen, im Jahr 2022 den Aktienkurs des Unternehmens absichtlich gedrückt zu haben. Ziel dieser mutmaßlichen Manipulation war es, den Kaufpreis neu verhandeln oder sogar von dem gesamten Geschäft zurücktreten zu können, eine Taktik, die sich letztlich gegen ihn wendete. Die Entscheidung der Jury unterstreicht die Verantwortung von Personen mit großem Einfluss auf die Finanzmärkte.
Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Musk in zwei spezifischen öffentlichen Äußerungen falsche Angaben über die tatsächliche Anzahl von gefälschten Konten und Spam-Profilen – den sogenannten Bots – auf der Plattform gemacht hatte. Bevor er Twitter schließlich übernahm und es später in X umbenannte, hatte Musk wiederholt die offizielle Zahl der Bots angezweifelt und damit eine Atmosphäre der Unsicherheit geschaffen. Er hatte den Kauf zeitweise auf Eis gelegt, bis bewiesen sei, dass der Anteil der Bots unter fünf Prozent liege. Zugleich hatte er behauptet, der tatsächliche Anteil könne weitaus höher als 20 Prozent sein, was im Widerspruch zu Twitters eigenen Angaben stand und den Aktienkurs negativ beeinflusste.
Die konkrete Höhe des Schadenersatzes, den Musk nun zahlen muss, muss noch berechnet werden. Ein Anwalt der Kläger schätzte die Summe jedoch auf beachtliche 2,5 Milliarden Dollar, eine Größenordnung, die selbst für den Tesla-Chef spürbar wäre. Klägeranwalt Francis Bottini betonte nach dem Urteil, dass der Status als reichster Mann der Welt keinen Freifahrtschein darstelle. Wer mit seinen Kurznachrichten Märkte bewegen könne, sei auch für den Schaden verantwortlich, der Anlegern zugefügt werde, so Bottini. Musks Anwälte bezeichneten das Urteil in einer ersten Stellungnahme als Rückschlag, zeigten sich aber zuversichtlich, in der anstehenden Berufung Recht zu bekommen und das Urteil anzufechten.
Interessanterweise sahen die Geschworenen den Vorwurf der Kläger, Musk habe einen planmäßigen Betrug betrieben, also einen von langer Hand geplanten systematischen Betrug, als nicht erwiesen an. Dies deutet darauf hin, dass die Jury zwar die Falschaussagen als betrügerisch einstufte, jedoch keine umfassende, vorsätzliche Betrugsstrategie über einen längeren Zeitraum sah. Ungeachtet dieser rechtlichen Auseinandersetzung hatte Musk Twitter im Oktober 2022 letztendlich gekauft und anschließend eine Reihe tiefgreifender Veränderungen bei dem Unternehmen vorgenommen, einschließlich der Umbenennung in X. Das Urteil sendet ein klares Signal an alle Marktteilnehmer über die potenziellen Konsequenzen von irreführenden öffentlichen Äußerungen, die den Wert eines Unternehmens beeinflussen.
