Florenz erlebt eine Welle der Besorgnis: Nach einem mutmaßlichen Hackerangriff auf die weltberühmten Uffizien wurden drastische Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Berichten zufolge wurden zahlreiche wertvolle Ausstellungsstücke, insbesondere Juwelen aus dem Tesoro dei Granduchi, vorsorglich in die Tresorräume der Banca d’Italia verlagert. Die Museumsleitung reagierte zudem mit der schnellen Zumauerung mehrerer Türen und Notausgänge, um potenziellen Einbrechern den Zugang zu erschweren. Diese eilig getroffenen Vorkehrungen spiegeln die wachsende Angst wider, dass sich ein spektakulärer Kunstraub wie im Pariser Louvre, bei dem im Oktober ein Teil der französischen Kronjuwelen entwendet wurde, in Florenz wiederholen könnte. Der Vorfall unterstreicht die zunehmende Vulnerabilität von Kulturgütern im digitalen Zeitalter.
Den Ermittlungen zufolge ist es den unbekannten Tätern seit Februar – möglicherweise sogar schon seit August des Vorjahres – gelungen, wiederholt in die interne Datenbank der Uffizien einzudringen. Dabei fielen ihnen nicht nur Lagepläne und die genauen Standorte der Überwachungskameras in die Hände, sondern auch Passwörter, Zugangsdaten zum Fotoarchiv und sogar die private Handynummer von Uffizien-Direktor Simone Verde. Über diese Nummer sei dann offenbar eine Lösegeldforderung übermittelt worden, wie der “Corriere della Sera” berichtet. Die Hacker nutzten wohl eine Schwachstelle in einer veralteten Software zur Bildverwaltung, um ins System zu gelangen. Dies zeigt, dass digitale Lücken selbst in hochrangigen Institutionen schwerwiegende physische Sicherheitsrisiken nach sich ziehen können.
Das Museum selbst bestätigte am Freitag einen Hackerangriff am 1. Februar, betonte jedoch in einer schriftlichen Stellungnahme, dass bislang nichts beschädigt oder gestohlen worden sei und auch “absolut keine Passwörter” abhandengekommen seien. Die Verschließung von Türen wurde zudem mit Brandschutzauflagen begründet, und der Austausch von Überwachungskameras habe bereits vor dem Angriff begonnen und sei lediglich beschleunigt worden. Trotz dieser beruhigenden Worte sind Staatsanwaltschaft, Polizei und Italiens Behörde für Cyber-Sicherheit bereits in die Ermittlungen eingeschaltet. Offizielle Kommentare von Direktor Verde zu den Lösegeldforderungen oder dem genauen Ausmaß des Datenlecks blieben bisher aus.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Sicherheitsbedenken, die viele Museen weltweit seit dem Louvre-Diebstahl plagen. Institutionen wie die Vatikanischen Museen, die ebenfalls ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt haben, beobachten die Entwicklungen genau. Bei den Uffizien, die mit dem Kolosseum und Pompeji zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Italiens gehören, ist die Sorge groß, dass nicht nur physische Exponate, sondern auch das umfangreiche digitale Archiv, das in jahrelanger Arbeit erstellt wurde, im Darkweb landen könnte. Die fast 500 Jahre alten Uffizien beherbergen unersetzliche Werke von Größen wie Michelangelo, Raffael und Botticelli, und der Schutz dieses Erbes erfordert angesichts moderner Bedrohungen eine ständige Anpassung der Sicherheitsstrategien.
