Die Geschichte von Therese Neumann, bekannt als Resl von Konnersreuth, fasziniert und polarisiert die Welt seit Jahrzehnten. Im Fokus steht die außergewöhnliche Behauptung, sie habe von 1926 bis zu ihrem Tod im Jahr 1962 – 36 Jahre lang – keinerlei feste Nahrung oder Flüssigkeit zu sich genommen, abgesehen von der täglichen Kommunion. Dieses angebliche „Osterwunder“ und die ihr zugeschriebenen Stigmata machten die tiefgläubige Frau aus der Oberpfalz zu einer weltbekannten Figur, die Zehntausende Gläubige anzog und gleichermaßen tiefe Skepsis hervorrief.
Das Phänomen begann in den frühen 1920er Jahren, als Neumann nach einer Reihe von Krankheiten und Verletzungen angeblich Visionen erlebte und die Stigmata Christi an ihrem Körper manifestierte, besonders intensiv während der Karwoche. Ab 1926 soll sie dann vollständig auf Nahrung verzichtet haben. Sie behauptete, lediglich von der Hostie zu leben. Diese angebliche Aushungerung, verbunden mit dramatischen Ekstasen, in denen sie die Leiden Christi miterlebte, wurde zum zentralen Merkmal ihres Daseins und ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Ärzte und Theologen beobachteten sie, oft mit gemischten oder unschlüssigen Ergebnissen, die die Debatte nur weiter anheizten.
Die wissenschaftliche und theologische Welt stand Therese Neumann oft ratlos gegenüber. Ein 1927 durchgeführter, streng überwachter Fastenversuch unter kirchlicher und ärztlicher Aufsicht sollte ihre Behauptungen belegen. Obwohl die Beobachter ihre Aussagen nicht widerlegen konnten, blieben die Umstände und die endgültige Deutung der Ergebnisse umstritten. Kritiker zweifelten stets an der vollständigen Transparenz und den Möglichkeiten einer lückenlosen Überwachung, während ihre Anhänger in ihr eine lebende Heilige sahen, deren Existenz ein Beweis für die Kraft des Glaubens war. Die Kontroverse um die Möglichkeit eines Lebens ohne Nahrung und Wasser hielt bis weit nach ihrem Tod an.
Bis heute bleibt Therese Neumann von Konnersreuth eine Gestalt voller Rätsel und Widersprüche. Ihr Leben und ihr angebliches „Osterwunder“ fordern weiterhin zum Nachdenken heraus über die Grenzen des menschlich Möglichen, die Macht des Glaubens und die Grenzen der Wissenschaft. Ob sie tatsächlich über Jahrzehnte ohne Nahrung überlebte oder ihre Geschichte eine komplexe Mischung aus psychischen Phänomenen, tiefer Frömmigkeit und unerklärlichen Umständen war, die Faszination für Resl Neumanns außergewöhnliches Dasein bleibt ungebrochen.
