Gründonnerstag markiert traditionell den verkehrsreichsten Start der Osterferien, doch in diesem Jahr wird die Reisefreude vieler Deutscher durch beispiellose Spritpreise getrübt. Kurz nach Mittag erreichte der bundesweite Durchschnittspreis für einen Liter Diesel ein Rekordhoch von 2,415 Euro, ein Anstieg um 11,8 Cent im Vergleich zum Vormittag. Auch Super E10 verzeichnete mit 2,198 Euro pro Liter eine deutliche Erhöhung um 9,8 Cent. Die seit dem 1. April geltende Spritregelung, die Tankstellen nur eine Preiserhöhung pro Tag erlaubt, scheint bislang keine positiven Auswirkungen zu zeigen. Experten wie Ramona Pop vom Bundesverband der Verbraucherzentralen äußern Skepsis, dass die Maßnahme tatsächlich zu günstigeren Preisen führt.
Die hohen Kosten an der Zapfsäule fallen ausgerechnet in eine Zeit erhöhten Reiseaufkommens. Besonders der Süden Europas lockt, doch Reisende müssen sich nicht nur auf hohe Spritkosten, sondern auch auf erhebliche Verkehrsbehinderungen einstellen. Staus und stockender Verkehr sind auf den Autobahnen zu erwarten, insbesondere auf der Brennerautobahn Richtung Italien, einem beliebten Ziel für Süddeutsche. Lange Wartezeiten an den Grenzen sind ebenfalls prognostiziert. Wer ins Ausland fährt, kann jedoch unter Umständen sparen, da in vielen europäischen Ländern wie Österreich, Italien oder Frankreich die Kraftstoffpreise derzeit niedriger sind als in Deutschland. Angesichts der Situation verzeichnet die Deutsche Bahn eine deutlich erhöhte Auslastung, und auch Fluggesellschaften melden sehr gute Buchungszahlen für die Osterfeiertage.
Der Hauptgrund für den dramatischen Preisanstieg liegt in den geopolitischen Spannungen. Seit Ende Februar und dem Beginn des Iran-Krieges haben Mineralölunternehmen die Spritpreise sukzessive erhöht. Sie begründen dies mit höheren Rohölpreisen, da die Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent des weltweiten Erdöls verschifft werden, durch den Iran blockiert ist. Eine ähnliche Situation erlebte Deutschland bereits während der Energiekrise 2022. Damals reagierte die Bundesregierung mit einem sogenannten „Tankrabatt“, einer Senkung der Steuerabgabe auf Kraftstoffe, um Autofahrer zu entlasten. Eine Auswertung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zeigte, dass dieser Rabatt tatsächlich an die Verbraucher weitergegeben wurde.
Aktuell warnen jedoch führende Wirtschaftsforschungsinstitute wie Ifo, DIW und RWI vor einem erneuten „Tankrabatt“, da dieser als „ökologisch und ökonomisch bedenklich“, „teuer“ und „schädlich“ eingestuft wird. Eine Verbilligung des Kraftstoffs würde die Nachfrage steigern, anstatt zum Sparen anzuregen. Stattdessen werden alternative Entlastungsmaßnahmen und Sparstrategien empfohlen. Der ADAC rät zu einer vorausschauenden und ruhigen Fahrweise, um den Verbrauch zu senken, etwa durch frühes Hochschalten und die Nutzung des Tempomats. Die Internationale Energieagentur schlägt Tempolimits, günstigeren Nahverkehr und Home-Office vor. DIW-Ökonom Marcel Fratzscher schlägt zudem vor, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zu senken, um gezielt Menschen mit geringerem Einkommen zu entlasten, eine Lehre aus dem Tankrabatt 2022, der vor allem Wohlhabenden zugutekam.
