Der diesjährige Rosenmontag sorgte nicht nur wettertechnisch für Gesprächsstoff, sondern vor allem wegen einer bemerkenswerten politischen Pointe: Während der Kölner Rosenmontagszug Persönlichkeiten wie Trump, Epstein, Merz und Klingbeil auf die Schippe nahm, fehlte ein globaler Akteur prominent in der Domstadt – Wladimir Putin. Seine Abwesenheit in Köln wurde rasch zum Thema, doch die Erklärung fand sich stromaufwärts im Rheinland. Es war Rivale Düsseldorf, der sich des Kremlchefs annahm, inszeniert vom bekannten und in Russland angeklagten Karikaturisten Jacques Tilly. Dies setzte einen klaren Akzent in der traditionellen Karnevalsrivalität und der politischen Satire des Rheinischen Karnevals.
In Düsseldorf rollte der Putin-Wagen als unübersehbares Statement durch die Straßen. Unter dem Motto ‘Der Europafresser’ präsentierte der berühmt-berüchtigte Wagenbauer Jacques Tilly eine provokante Darstellung des russischen Präsidenten. Tilly, der für seine kompromisslose politische Satire bekannt ist und bereits in Russland wegen seiner Arbeiten angeklagt wurde, nutzte die Bühne des Düsseldorfer Rosenmontagszugs, um eine scharfe Kritik an Putins aggressivem Kurs zu üben. Die Entscheidung, Putin ausschließlich in Düsseldorf erscheinen zu lassen, verstärkte die botschaftliche Wirkung und unterstrich die unterschiedlichen Ansätze der beiden rheinischen Karnevalshochburgen im Umgang mit brisanten politischen Themen.
Während die Kölner Jecken sich auf ein breites Spektrum an nationalen und internationalen Persönlichkeiten konzentrierten – von ehemaligen US-Präsidenten wie Donald Trump über den verurteilten Jeffrey Epstein bis hin zu deutschen Politikern wie Friedrich Merz und Lars Klingbeil –, fehlte der russische Staatschef. Diese bewusste Auslassung führte zu Diskussionen unter Beobachtern und verstärkte die Rivalität der beiden Städte in Sachen Karnevalssatire. Kölns Fokus lag auf einer breiteren Palette von Themen, die die gesellschaftlichen und politischen Debatten des vergangenen Jahres widerspiegelten, während Düsseldorf mit Tillys Kreation einen spezifischen, global relevanten Brennpunkt setzte.
Neben der politischen Brisanz spielte auch das Wetter eine Rolle bei den Vorbereitungen des Kölner Zugs, wobei sich die anfänglichen Sorgen erst später am Tag bewahrheiteten. Doch die Diskussion um die Motive überschattete die meteorologischen Unwägbarkeiten. Die klare Trennung der Putin-Darstellung zwischen den Städten unterstreicht die tiefe Verwurzelung der politischen Satire im Rheinischen Karneval und die Rolle der Züge als seismographische Indikatoren für gesellschaftliche Stimmungen und Kritik. Der Rosenmontagszug bleibt somit nicht nur ein Fest der Fröhlichkeit, sondern auch eine Plattform für unverblümte politische Kommentare, die oft lauter sprechen als viele Debatten.
