Revolutionäre Studien enthüllen, dass Hunde Menschen in Europa schon seit über 15.000 Jahren als treue Begleiter zur Seite standen. Dies geht aus neuen genetischen Analysen hervor, die die Verbreitung von Hunden in der Altsteinzeit neu bewerten. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München berichten im Fachjournal »Nature« über den ältesten genetischen Nachweis eines Hundes, der vor 15.800 Jahren in Pınarbaşı, Türkei, lebte. Diese Erkenntnisse verschieben die bekannte Zeitlinie der Hundeverbreitung in Europa erheblich, da frühere eindeutige genetische Belege nur etwa 10.900 Jahre alt waren. Die Forschung analysierte DNA von Fundstätten wie Gough’s Cave in Großbritannien (ca. 14.300 Jahre alt) und Pınarbaşı, beide dem Ende der Altsteinzeit zuzuordnen. Die Ergebnisse bestätigen, dass es sich bei den Überresten tatsächlich um Hunde handelte.
Archäologische Hinweise gab es bereits zuvor, etwa der 14.300 Jahre alte Unterkiefer eines Tieres aus Bonn-Oberkassel, das mit Menschen bestattet wurde und Merkmale einer langen menschlichen Pflege aufwies. Ohne genetische Bestätigung war eine klare Zuordnung als Hund jedoch schwierig. Die neuen Studien ermöglichen es nun, diese historischen Funde eindeutig als frühe Hunde zu identifizieren und zeigen, dass sie bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren, mit weiteren Funden in Deutschland, Italien und der Schweiz. Diese genetische Identifizierung stellt einen Wendepunkt im Verständnis der frühesten Hunde dar, so Co-Erstautor William Marsh vom Natural History Museum in London.
Eine weitere im Fachjournal »Nature« veröffentlichte Studie befasst sich mit der genetischen Herkunft der europäischen Hunde. Sie bestätigt, dass Hunde von Grauwölfen abstammen und die ersten Tiere waren, die eine Beziehung zu Menschen eingingen. Obwohl Europa die ältesten archäologischen Beweise für Hunde beherbergt – wie der 14.200 Jahre alte Hund aus Kesslerloch in der Schweiz –, deuten die genetischen Daten darauf hin, dass die Domestikation nicht lokal in Europa stattfand. Stattdessen stammen diese frühen europäischen Hunde von einer breiteren Abstammungslinie mit starken Wurzeln im Osten, möglicherweise Sibirien, ab. Die Domestikation selbst liegt demnach wahrscheinlich deutlich länger als 14.200 Jahre zurück.
Die genaue Rolle der Hunde bei den damaligen Jäger- und Sammlergemeinschaften ist weiterhin Gegenstand der Forschung, obwohl Hinweise wie der Empfang von Fisch in Pınarbaşı und der Grabfund in Bonn-Oberkassel auf eine enge Verbindung hindeuten. Das Forschungsteam fand auch Belege dafür, dass genetisch und kulturell unterschiedliche Gruppen Hunde austauschten, was ihre immense Bedeutung für diese frühen Gesellschaften unterstreicht. Heutige Hunde tragen übrigens Erbgut von sowohl den mesolithischen Jäger-und-Sammler-Hunden mit östlicher Abstammung als auch von Hunden, die neolithische Bauern aus Südwestasien nach Europa brachten, in sich – ein Zeugnis ihrer langen und komplexen Geschichte an der Seite des Menschen.
