Das Münchner Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace muss den geplanten Start seiner Microlauncher-Rakete namens Spectrum erneut verschieben. Das Unternehmen, das den Transport von Satelliten ins All revolutionieren will, sah sich am Donnerstagabend gezwungen, den Countdown kurz vor dem Abheben abzubrechen. Es ist ein weiterer Rückschlag für ein Projekt, das für die deutsche und europäische Raumfahrt von großer Bedeutung ist und zuletzt im Schatten größerer internationaler Ereignisse stand.
Eine undichte Stelle in einem Druckbehälter wurde als Ursache für die jüngste Startabsage genannt, die gut eine Stunde vor dem geplanten Startfenster um 22 Uhr erfolgte. Firmengründer Daniel Metzler äußerte sich zuversichtlich: „Es steht außer Frage, dass wir die Umlaufbahn erreichen und einen zuverlässigen Zugang zum Weltraum demonstrieren werden.“ Er betonte, dass Startabbrüche in der Raketenindustrie üblich seien und jeder Versuch wertvolle Erfahrungen liefere. Ein neuer Termin steht noch aus, das Team konzentriert sich auf die Problembehebung.
Die aktuelle Verzögerung reiht sich in eine Serie von Herausforderungen ein. Bereits Ende März letzten Jahres endete ein erster Versuch mit der Spectrum-Rakete nach nur 30 Sekunden in einem Feuerball aufgrund von Ventil- und Stabilitätsproblemen. Im Januar gab es Probleme mit einem Druckventil, und vor zwei Wochen verhinderte ein unbefugt in die Sperrzone eindringendes Boot den Start. Das aktuelle Startfenster reicht bis Sonntag, dem 19. April, wobei Wetterbedingungen wie starke Winde am norwegischen Startplatz Andøya entscheidend sind. An Bord der 28 Meter hohen Rakete befinden sich fünf Kleinsatelliten und ein wissenschaftliches Experiment. Maßnahmen gegen erneute Boots-Interferenzen wurden angekündigt.
Trotz dieser Hürden bleibt die Mission von Isar Aerospace von strategischer Bedeutung. Das Unternehmen hat die Chance, die erste deutsche Rakete zu sein, die eine Tonne Nutzlast in die Erdumlaufbahn befördert. In einer Zeit, in der Europa neben den etablierten ESA-Raketen wie Ariane und Vega weitere unabhängige Zugänge zum Weltraum benötigt, würde ein erfolgreicher Start einen wichtigen Schritt zur Steigerung der europäischen Souveränität und Unabhängigkeit von den USA im All bedeuten. Es geht nicht nur um Technologie, sondern auch um die geopolitische Sicherheit des Kontinents.
