Der deutsche Markt für Exchange Traded Funds (ETFs) erlebt einen rasanten Wandel, der ihn zunehmend komplizierter macht. Eine aktuelle Studie der Honorarberatung VZ Vermögenszentrum zeigt, dass Anlegern auf der größten deutschen Handelsplattform Xetra Ende letzten Jahres 2784 verschiedene ETFs zur Auswahl standen – dreimal so viele wie vor 15 Jahren. Allein im Jahr 2025 kamen 429 neue Produkte hinzu. Diese enorme Vielfalt, so die Studie, erschwert es Anlegern zunehmend, den Überblick zu behalten und fundierte Entscheidungen zu treffen. Die ursprüngliche Idee der ETFs, eine einfache und kostengünstige passive Geldanlage, scheint angesichts der wachsenden Produktpalette in den Hintergrund zu treten, was die Wahl für Sparer und Altersvorsorgende zu einer echten Herausforderung macht. Dennoch birgt die Konkurrenz auch Vorteile, da sie Fondsanbieter zwingt, ihre Gebühren niedrig zu halten.
Die ursprüngliche Idee der ETFs basiert auf zwei im letzten Jahrhundert in den USA entwickelten Prinzipien: eine breit diversifizierte Geldanlage erzielt über längere Zeiträume statistisch höhere Renditen als der Versuch, den Markt aktiv zu schlagen, und die Möglichkeit, Anteile von Indexfonds wie Aktien zu handeln. Doch viele der neuen Produkte weichen von dieser passiven Grundidee ab. Statt nur klassische Indizes wie den Dax oder MSCI World abzubilden, zielen ETFs heute auf Nischenmärkte, einzelne Branchen wie Verteidigung oder Quantentechnologie, ermöglichen Wetten auf fallende Kurse oder Kryptowährungen. Besonders auffällig ist die Zunahme sogenannter aktiver ETFs, bei denen wieder Fondsmanager Anlageentscheidungen steuern. 2025 gab es 386 aktive ETFs auf Xetra, mehr als viermal so viele wie 2023. Die Studie warnt jedoch: Im vergangenen Jahr konnte kein aktiver ETF, der auf dem MSCI World basierte, eine Mehrrendite gegenüber vergleichbaren passiven Produkten erzielen, und aktive ETFs sind zudem oft teurer.
Die schnelllebige Entwicklung des ETF-Marktes bringt nicht nur neue Produkte hervor, sondern führt auch dazu, dass Fonds vom Markt verschwinden. Im Jahr 2025 wurden der Studie zufolge 60 Produkte geschlossen. Obwohl Anleger in solchen Fällen ihr Anlagevermögen zurückerhalten, können ungünstige Kurse zum Zeitpunkt der Schließung zu ungewollten Verlusten oder steuerlichen Nachteilen führen. Daher ist es für langfristig orientierte Investoren entscheidend, stabile Fonds auszuwählen. Experten raten dazu, Fonds mit zu geringem Volumen zu meiden. Thomas Wolff vom VZ Vermögenszentrum empfiehlt als grobe Orientierung ein Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro, da der Betrieb kleinerer Fonds für die Anbieter oft nicht mehr rentabel ist und Fixkosten für Lizenzen und Verwaltung anfallen. Positiv bewertet er die Vielfalt bei Anleihe-ETFs, die sicherheitsbewussten Anlegern eine gute Risikostreuung bieten.
Trotz der wachsenden Komplexität und Vielfalt bleibt der Kern einer erfolgreichen Geldanlage einfach. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg betont, dass die beste Strategie nach wie vor ein langfristiges und breit gestreutes Investment ist. Für diese bewährte Methode seien viele der neuen „Mode-ETFs“, die auf einzelne Branchen oder Technologien setzen, nicht notwendig. Er stellt fest, dass die meisten Verbraucher sich glücklicherweise nicht von den vielen neuen Angeboten irritieren lassen und an der langfristigen Strategie festhalten, die er zusammenfasst als: „Kaufen und liegen lassen.“ Diese Herangehensweise hat sich historisch als die erfolgreichste erwiesen und dürfte auch in einem komplexer werdenden ETF-Markt weiterhin die beste Wahl für die Altersvorsorge sein.
