Der Hausgerätekonzern BSH, bekannt für Marken wie Bosch und Siemens, befindet sich in einer tiefgreifenden Umstrukturierung, die als „Katerstimmung in der Küche“ beschrieben wird. Trotz Bemühungen, Zuversicht auszustrahlen, dominieren Gespräche über eine Krise. Rudolf Klötscher, BSH-Manager für Europa, spricht von einem “Ruckeln” durch den schwierigen Immobilienmarkt, starke Konkurrenz aus China und eine schwache Konjunktur. Besonders in Europa sei das Wachstum marginal, und die Wettbewerbsfähigkeit in unteren und mittleren Preissegmenten schwindet, da Kunden zunehmend preissensibel sind.
Die Konsequenz dieser Entwicklung ist ein massiver Stellenabbau: Bis 2028 sollen weltweit 3500 Arbeitsplätze gestrichen werden, der Großteil davon in Westeuropa. Besonders hart trifft es Deutschland, wo BSH zwei Werke schließen wird: in Bretten (Baden-Württemberg) und Nauen (Brandenburg), wodurch über 1400 Arbeitsplätze verloren gehen. In Bretten wird die Schließung mit sinkender Nachfrage für Produkte wie Dunstabzugshauben begründet, während Öfen an anderen, rentableren Standorten gefertigt werden könnten. Betriebsrat und IG Metall kritisieren die Entscheidung scharf und suchen nach Alternativen.
Trotz dieser schwierigen Lage konnte BSH seinen Umsatz im vergangenen Jahr stabil halten und währungsbereinigt sogar leicht steigern. Wachstumstreiber sind Nordamerika und die Schwellenländer, wo insbesondere Luxusmarken wie Gaggenau und Thermador erfolgreich sind. Europa bleibt zwar wichtig für den Umsatz, gilt aber nicht mehr als Wachstumsmarkt. Die Strategie des Konzerns verlagert sich hin zu lokaler Produktion: “India for India”, “China for China”, um näher an den jeweiligen Wachstumsmärkten zu sein und dort zu produzieren, wo auch verkauft wird.
Diese strategische Neuausrichtung birgt für die deutschen Standorte schlechte Nachrichten. Wenn das Geschäft hier stagniert und preissensible Modelle anderswo günstiger gefertigt werden können, geraten vor allem Werke, die solche Produkte herstellen, unter Druck. Großhändler bestätigen, dass Kunden zwar deutsche Produkte bevorzugen, aber der Preis oft den Ausschlag für asiatische Hersteller gibt. Für BSH in Europa bedeutet dies, sich von starken Wachstumserwartungen zu verabschieden und ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das sich in stagnierenden Märkten mit einem positiven Image behaupten kann, während Kosten dort gespart werden, wo sie hoch und die Wachstumserwartungen niedrig sind – primär in Deutschland.
