Angesichts stark gestiegener Benzinpreise in Deutschland und deutlich günstigerer Konditionen in den Nachbarländern Polen und Tschechien hat der Zoll seine Kontrollen an den Grenzübergängen intensiviert. Vor allem aus Brandenburg, Sachsen und Bayern strömen Autofahrer über die Grenzen, um beim Tanken zu sparen. Die Stichproben des Zolls zielen darauf ab, Personen zu identifizieren, die über die erlaubte Menge hinaus Sprit unverzollt nach Deutschland einführen wollen. Der Iran-Krieg wird als einer der Faktoren für den Preisanstieg in Deutschland genannt.
Die verstärkten Kontrollen finden bundesweit an Grenzübergängen statt, wie eine Zoll-Sprecherin gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung bestätigte. Im Fokus stehen insbesondere die Übergänge nach Polen und Tschechien, die von Tank-Touristen frequentiert werden. Grundsätzlich ist das Tanken für den Eigenbedarf im EU-Ausland zollfrei erlaubt. Dies schließt auch einen zusätzlichen Reservekanister mit einem Fassungsvermögen von bis zu 20 Litern ein. Mengen, die über diese Freimengen hinausgehen, müssen jedoch ordnungsgemäß verzollt werden, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.
Der Anreiz für den Tank-Tourismus ist beträchtlich: In Polen und Tschechien liegt der Kraftstoffpreis zwischen 30 und 60 Cent pro Liter unter dem deutschen Niveau. Dieser deutliche Preisunterschied hat bereits zu langen Warteschlangen an polnischen Tankstellen geführt, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg berichtet. Gleichzeitig verschärft sich die Ertragslage für deutsche Tankstellen im Grenzgebiet durch diese Abwanderung von Kunden zusätzlich. Zahlen zu bereits erwischten Tank-Touristen liegen dem Zoll derzeit noch nicht vor.
Der Preisunterschied zwischen den Ländern ist primär auf unterschiedliche nationale Steuern und Abgaben zurückzuführen. Innerhalb der EU belegt Deutschland beim Preis für Super-Benzin derzeit den vierten Platz, während Polen auf dem viertletzten Rang liegt. Die Möglichkeit, für den Eigenbedarf zollfrei im Ausland zu tanken und einen 20-Liter-Kanister mitzuführen, ist vielen Autofahrern bekannt, doch größere Mengen erfordern eine Deklaration beim Zoll. Die Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten und Steuerhinterziehung verhindert wird.
