Die deutsche Luftfracht erlebte im vergangenen Jahr einen Aufschwung, der maßgeblich auf die US-Zollpolitik zurückzuführen ist. Wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bekannt gab, stieg das Frachtaufkommen 2025 leicht um 1,6 Prozent auf nahezu fünf Millionen Tonnen. Dieser Anstieg resultierte primär aus temporären Nachfragespitzen, da Unternehmen angesichts bevorstehender Zollerhöhungen in den USA ihre Lagerbestände auffüllten. Konkret hatte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump im April 2025 den Einfuhrzoll auf Autos und Autoteile auf 25 Prozent erhöht, gefolgt von einem generellen Zoll von 15 Prozent im August. Dieser Effekt war so stark, dass der Frankfurter Flughafen seinen Rang als führender Frachtflughafen Europas zurückerobern konnte. Auch europa- und weltweit legte das Frachtaufkommen stärker zu, mit einem Anstieg von etwa drei Prozent.
Im Gegensatz zum positiven Bild der Luftfracht zeichnet sich im Passagierbereich ein alarmierendes Bild für Deutschland ab. Zwar verzeichneten die deutschen Flughäfen mit knapp 220 Millionen Passagieren einen Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch hinkt dieses Wachstum dem europäischen und globalen Trend erheblich hinterher. Das Angebot an Flugverbindungen erreichte hierzulande im Jahr 2025 lediglich 90 Prozent des Niveaus von 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie. Im Kontrast dazu lag der Durchschnittswert im restlichen Europa bei 108 Prozent, wobei 18 Länder mindestens das Vor-Corona-Niveau erreichten und bis zu 29 Prozent Wachstum verzeichneten. Lediglich 14 Länder blieben hinter ihrem Volumen von 2019 zurück, was die deutsche Schwäche verdeutlicht.
Für das erste Halbjahr dieses Jahres prognostiziert der BDL lediglich ein Wachstum des Sitzplatzangebots um zwei Prozent. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDL, äußerte sich besorgt: „Während in Europa so viel geflogen wird wie nie zuvor, bleibt Deutschland weiter abgekoppelt vom Luftfahrt-Boom.“ Er bezeichnete diese Entwicklung als „ernstes Warnsignal für die internationale Anbindung unseres Wirtschaftsstandortes“. Als Hauptursachen werden vor allem das Fehlen von Inlandsflügen und unattraktive Angebote von Billigfluggesellschaften identifiziert. Letztere leiden unter den als zu hoch empfundenen staatlichen Kosten, wie Steuern und Gebühren. Ende letzten Jahres hatte die Bundesregierung zwar beschlossen, die im Mai 2024 eingeführte 25-prozentige Erhöhung der Luftverkehrsteuer ab Juli zurückzunehmen.
Der BDL begrüßt die teilweise Rücknahme der Luftverkehrsteuer als ersten Schritt, fordert jedoch weitere Entlastungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrs wiederherzustellen. Diese Forderungen stoßen jedoch auf Kritik von Umweltverbänden, die eine solche Politik als kontraproduktiv für den Klimaschutz bezeichnen. Die aktuelle Situation verdeutlicht ein Dilemma zwischen wirtschaftlicher Förderung und ökologischer Verantwortung. Die langfristigen Auswirkungen der Passagierflug-Schwäche auf Deutschlands internationale Geschäftsbeziehungen und seine Attraktivität als Wirtschaftsstandort bleiben ein zentrales Thema, das über die reinen Luftverkehrszahlen hinausreicht und eine umfassende politische Debatte erfordert, um Lösungen für die strukturellen Probleme zu finden und Deutschland wieder an den europäischen Luftfahrt-Boom anzuschließen.
