Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im Jahr 2025 erstmals nach drei Jahren des Rückgangs wieder gestiegen. Insgesamt wurden fast 240.000 Genehmigungen erteilt, was eine deutliche Erholung gegenüber den 215.000 Genehmigungen des Vorjahres 2024 darstellt – dem niedrigsten Stand seit 2010. Dieser Anstieg wird als positives Signal gewertet, nachdem gestiegene Zinsen und Materialkosten den Wohnungsbau zuvor stark gebremst hatten. Die Entwicklung deutet auf eine mögliche Trendwende im deutschen Bausektor hin, der für die Deckung des anhaltend hohen Wohnungsbedarfs von entscheidender Bedeutung ist. Die Genehmigungen umfassten sowohl Neubauten als auch Wohnungen in bestehenden Gebäuden.
Besonders markant war der Zuwachs bei den Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser, die um 6.500 auf rund 45.000 anstiegen. Bei Zweifamilienhäusern gab es hingegen einen leichten Rückgang auf 12.600 Genehmigungen. Zusammen machten Ein- und Zweifamilienhäuser knapp 30 Prozent der genehmigten Neubauwohnungen aus. Unternehmen konzentrieren sich weiterhin auf den Bau von Mehrfamilienhäusern, die etwa zwei Drittel aller genehmigten Neubauwohnungen ausmachen. Hier wurden 2025 knapp 130.000 Genehmigungen erteilt, ein Plus von etwa 14.000 gegenüber dem Vorjahr, was auf ein wiedererstarktes Interesse der Investoren hindeutet.
Experten bewerten den Anstieg der Baugenehmigungen als klares Wendesignal. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht die Bauwirtschaft wieder auf dem Weg zum „Wachstumsmotor“, so Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. Auch das Münchner Ifo-Institut registrierte nach einer Umfrage eine leichte Zufriedenheit bei den Unternehmen und aufgehellte Erwartungen. Trotz dieser positiven Signale mahnte Ifo-Umfragenleiter Klaus Wohlrabe zur Geduld, da es dauern werde, bis sich die gestiegenen Baugenehmigungen tatsächlich in neuen Aufträgen und fertiggestellten Wohnungen materialisieren. Die Branche bleibt in einer Phase der Unsicherheit.
Trotz der erfreulichen Entwicklung bei den Genehmigungen bleiben die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt immens. Prognosen zufolge könnten dieses Jahr nur etwa 200.000 neue Wohnungen tatsächlich gebaut werden, was Experten als unzureichend kritisieren. Eine Studie des Pestel-Instituts im Auftrag des Bündnisses „Soziales Wohnen“ beziffert den Fehlbestand in Deutschland auf 1,4 Millionen Wohnungen. Um dieses Defizit bis 2030 abzubauen, wären jährlich gut 400.000 neue Wohnungen erforderlich – doppelt so viele, wie aktuell erwartet werden. Der Wohnungsmarkt bleibt somit angespannt, und der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist weiterhin hoch, trotz der jüngsten positiven Signale bei den Baugenehmigungen.
