Intervallfasten hat sich in den letzten Jahren als beliebte Methode etabliert, nicht nur zur Gewichtsabnahme, sondern auch zur Verbesserung der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Zahlreiche Medizinerinnen und Mediziner empfehlen es bei Übergewicht und Adipositas. Doch trotz der weiten Verbreitung gab es in der Wissenschaft bisher keinen klaren Konsens über den tatsächlichen Nutzen und die Überlegenheit gegenüber anderen Diätformen. Diese Unsicherheit veranlasste das renommierte Cochrane-Netzwerk, einen unabhängigen Zusammenschluss von Fachleuten, eine umfassende Metaanalyse aller verfügbaren Studien zu diesem Thema durchzuführen. Die nun veröffentlichten Ergebnisse dieser Analyse dämpfen die hohen Erwartungen erheblich und werfen ein ernüchterndes Licht auf die vermeintlichen Wundereffekte des Intervallfastens.
Das Cochrane-Netzwerk ist bekannt für seine strengen und methodisch hochwertigen Reviews. Ein internationales Forscherteam analysiert dabei die gesamte Studienlage zu einem Thema und wählt ausschließlich qualitativ hochwertige Untersuchungen aus. Im Fokus stehen dabei randomisiert-kontrollierte Studien, die durch ihre Aufteilung in Test- und Kontrollgruppen systematische Verzerrungen minimieren. Für den aktuellen Cochrane-Review zum Intervallfasten durchforsteten die Autorinnen und Autoren über 18.000 Publikationen. Am Ende blieben jedoch nur 22 Studien übrig, die den hohen Qualitätsstandards entsprachen und für die Analyse relevant waren. Die Kernfragen waren: Ist Intervallfasten bei übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen anderen Diäten überlegen, und beeinflusst es die Lebensqualität, den Diabetesstatus, Blutfettwerte oder Nebenwirkungen?
Die Analyse ergab, dass Intervallfasten im Vergleich zu anderen gängigen Diätempfehlungen kaum nennenswerte Unterschiede bei der Gewichtsabnahme oder der Lebensqualität der Teilnehmenden zeigt. Beide Ansätze erwiesen sich als ähnlich wirksam, und auch bei den untersuchten Gesundheitsparametern wie Blutfettwerten oder dem Diabetesstatus sowie hinsichtlich unerwünschter Nebenwirkungen gab es keine bedeutsamen Unterschiede. Ein wesentliches Problem, auf das die Autorinnen und Autoren sowie externe Experten wie Stefan Kabisch von der Charité Berlin hinweisen, ist die äußerst begrenzte und unsichere Datenlage. Viele Studien hatten eine geringe Probandenzahl, was statistische Fehlschätzungen begünstigt. Zudem erschwerten stark unterschiedliche Fastenmethoden (Alternate-Day-Fasting, Time-Restricted Eating) und heterogene Probandenauswahlen, teils inklusive Diabetikern, die Vergleichbarkeit der Studien.
Trotz der ernüchternden Ergebnisse ist Intervallfasten für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas in der Regel besser, als gar nichts zu tun. Der Review legt nahe, dass Intervallfastende über sechs bis zwölf Monate wahrscheinlich drei bis vier Prozent mehr Gewicht verlieren als Personen, die ihre Ernährung nicht aktiv umstellen. Dies liegt jedoch unter den von klinischen Leitlinien empfohlenen mindestens fünf Prozent Gewichtsverlust bei Übergewicht und Adipositas. Die Studienlage zeigt also: Intervallfasten kann helfen, ist aber anderen Diätformen nicht überlegen. Ärzte und Patienten sollten individuell abwägen, welcher Ansatz am besten zum Alltag passt. Die Cochrane-Autoren fordern dringend längere Studien über zwölf Monate hinaus sowie die Berücksichtigung verschiedener Bevölkerungsgruppen, um eine robustere Evidenzbasis zu schaffen.
