Deutschland und Brasilien wollen ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kündigten nach Regierungskonsultationen in Hannover eine engere Partnerschaft bei Handel, Rüstung und Rohstoffen an. Beide Länder sehen in der wachsenden globalen Unsicherheit einen Grund für eine engere Kooperation.
Merz sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, die Beziehungen zwischen beiden Staaten seien „wichtiger denn je“. Ziel sei es, den gegenseitigen Nutzen zu stärken und ein Netzwerk gleichgesinnter Partner aufzubauen. Besonders im Fokus steht eine Verdopplung des bilateralen Handels in den kommenden Jahren.
Auch wirtschaftlich setzen beide Länder auf neue Impulse. Mit dem geplanten Inkrafttreten des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens zum 1. Mai sehen Berlin und Brasília große Chancen für mehr Handel. Das Abkommen umfasst Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay und soll den Austausch zwischen Europa und Südamerika erleichtern.
Merz betonte, dass Deutschland und Brasilien ihre wirtschaftlichen Abhängigkeiten verringern wollen. „Das ist ein Gebot der Stunde in einer unberechenbaren Welt“, sagte er. Besonders wichtig sei dabei die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen. Brasilien gilt für Deutschland als wichtiger Lieferant seltener Erden, die unter anderem für Elektronik und Elektromobilität benötigt werden.
Auch im Rüstungsbereich soll die Kooperation wachsen. Präsident Lula zeigte Interesse an vier weiteren Fregatten des Typs Tamandaré des deutschen Unternehmens Thyssenkrupp Marine Systems. Bereits jetzt werden vier Schiffe dieses Typs für Brasilien gebaut. Zusätzlich gibt es Gespräche über gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehrsysteme und Drohnen.
Neben der Wirtschaft stand auch die internationale Politik im Mittelpunkt der Gespräche. Beide Länder fordern eine Reform der Vereinten Nationen. Sowohl Deutschland als auch Brasilien streben seit Langem einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Derzeit sind dort nur die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich dauerhaft vertreten. Eine Reform gilt jedoch seit Jahren als politisch blockiert.
Präsident Lula nutzte das Treffen auch für deutliche Kritik an den USA und Präsident Donald Trump. Er äußerte sich ablehnend gegenüber Trumps außenpolitischen Entscheidungen, darunter dem Ausschluss Südafrikas vom kommenden G20-Gipfel in Florida. Lula warnte vor einer Schwächung internationaler Zusammenarbeit und rief Deutschland dazu auf, gemeinsam für die Teilnahme Südafrikas einzutreten.
Trotz politischer Differenzen zeigte sich das Treffen in Hannover insgesamt konstruktiv. Beide Seiten betonten die Bedeutung stabiler Partnerschaften in einer zunehmend instabilen Weltordnung. Neben politischen Gesprächen wurden auch wirtschaftliche Projekte und Investitionen besprochen.
Das Treffen hatte zudem auch eine persönliche Note. Nach einem früheren Besuch von Merz in Brasilien hatte es zeitweise diplomatische Verstimmungen gegeben. Nun bemühten sich beide Seiten sichtbar um eine Verbesserung des Verhältnisses. Lula äußerte jedoch scherzhaft, dass er sich eine „echte Straßenwurst“ statt eines offiziellen Menüs gewünscht hätte.
Mit den neuen Vereinbarungen setzen Deutschland und Brasilien ein deutliches Signal für engere wirtschaftliche und strategische Beziehungen. Beide Länder wollen künftig enger zusammenarbeiten, um Handel, Rohstoffsicherheit und industrielle Entwicklung zu stärken.
