Die Artemis 2 Mission, ein spektakulärer, aber kostspieliger Rundflug um den Mond, hat keine direkten neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über unseren Himmelsnachbarn geliefert. Mit geschätzten Kosten von mehreren Milliarden Dollar pro SLS-Start und europäischer Beteiligung, stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung. Die Astronauten brachten atemberaubende Fotos und persönliche Erlebnisse zurück, jedoch kein Mondgestein oder bahnbrechende Entdeckungen. Dieser erste bemannte Testflug des Artemis-Programms war in erster Linie eine Technologie-Demonstration und Vorbereitung für zukünftige, komplexere Missionen.
Experten betonen den überschaubaren wissenschaftlichen Wert der Artemis 2 Mission im Hinblick auf neue Erkenntnisse über den Mond. Wichtige Fragen wie die Wasservorkommen in Mondkratern, die für künftiges Überleben auf der Mondoberfläche entscheidend wären, blieben unbeantwortet und sind künftigen Landemissionen vorbehalten. Auch die Beobachtungen des Sternenhimmels durch die Besatzung werden keine großen Durchbrüche zur Entstehung des Universums liefern. Dennoch wäre es verfehlt, die Mission als sinnlos zu bezeichnen, da sie eine entscheidende Generalprobe für die Technologie war, die künftige Flüge zum Mond und zum Mars ermöglichen soll.
Artemis 2 diente als zweite Generalprobe einer komplexen Technologie. Die SLS-Rakete, die stärkste je gebaute, nutzt bewährte, aber angepasste Komponenten aus dem Space-Shuttle-Programm, darunter Haupttriebwerke. Auch das Europäische Servicemodul, entwickelt in Bremen, integriert Teile, deren Vorgänger bereits bei Apollo und Space Shuttle zum Einsatz kamen. Diese neu zusammengestellten Systeme, die erstmals Menschen tief ins All bringen sollen, wurden auf ihre Tauglichkeit getestet. Frühere Verzögerungen, Qualitätsmängel bei Boeing und gravierende Hitzeschildprobleme bei der unbemannten Artemis 1 Mission unterstrichen die Komplexität und führten zu einer “heißeren” Wiedereintrittsstrategie für Artemis 2, was die umsichtige Vorgehensweise der NASA demonstriert. Zudem wartet die NASA noch auf die Fertigstellung privater Mondlandefähren.
Politisch signalisiert Artemis 2 die ernsthafte Absicht der USA, vor der erwarteten chinesischen Mondmission 2030 wieder Menschen auf den Mond zu bringen, was einen neuen Wettlauf zum Mond einläutet, vergleichbar mit dem Kalten Krieg. Es ist ein Ausdruck des Konkurrenzkampfes zwischen Großmächten. Gleichzeitig betont die Mission die internationale Zusammenarbeit, wobei Europa eine Schlüsselrolle spielt und die nächsten Mondfahrer aus verschiedenen Kontinenten stammen könnten. Die Auswahl der Artemis 2 Crew – mit der ersten Frau, dem ersten Schwarzen und dem ersten Nicht-US-Bürger, die den Mond umrundeten – sendet ein starkes Signal der Diversität und Inklusion in einem oft polarisierten politischen Klima, das weit über die rein technologische Leistung hinausgeht und die Welt ein Stück multipolarer macht.
