Der andauernde Konflikt im Nahen Osten und die drohende Blockade der Straße von Hormus gefährden die kritische Versorgung mit Helium in Deutschland. Pharma Deutschland warnt eindringlich, dass diese Situation ernsthafte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Medikamenten haben könnte. Helium, weit mehr als nur ein Gas für Partyballons, ist ein unverzichtbarer Rohstoff für zentrale Analyse- und Produktionsprozesse in der Pharmaindustrie. Ohne eine stabile Versorgung geraten die Herstellung von Tabletten, Infusionen und Biologika unter Druck, was zu einer potenziellen Medikamentenknappheit führen könnte.
Deutschland ist bei Helium fast vollständig auf Importe angewiesen, wobei Katar ein Hauptlieferant ist. Nach Angriffen auf Anlagen von Qatar Energy in der Industriezone Ras Laffan und Mesaieed musste Katar die Produktion von Flüssigerdgas (LNG), bei dessen Verflüssigung Helium gewonnen wird, einstellen. Die Erklärung von „force majeure“ durch den Konzern bedeutet, dass vertragliche Lieferverpflichtungen nicht mehr erfüllt werden können. Dies hat weitreichende Folgen für den globalen Heliummarkt, auf dem die USA und Katar die größten Produzenten sind. Helium ist auch für MRT-Geräte und die Halbleiterproduktion essenziell, was seine Einstufung als kritischer Rohstoff durch die EU und Branchenverbände unterstreicht.
In der Pharmaindustrie ist Helium vor allem für gaschromatografische Qualitätskontrollen unverzichtbar. Diese Analysen sind im Arzneibuch festgeschrieben und eine zwingende Voraussetzung dafür, dass Arzneimittel chargenweise geprüft und in Verkehr gebracht werden dürfen. Ohne Helium kommen diese Qualitätskontrollen ins Stocken, was dazu führt, dass Medikamente nicht freigegeben werden können, selbst wenn Wirkstoffe und Packmittel vorhanden sind. Eine Umstellung auf alternative Gase oder Methoden ist nicht kurzfristig realisierbar, da dies neue Entwicklungen, Validierungen und behördliche Genehmigungen erfordern würde – ein Prozess, der wertvolle Zeit kostet und die Engpässe verschärft.
Die ersten Auswirkungen der Lage im Nahen Osten sind bereits entlang der Lieferketten spürbar, mit steigenden Transport- und Energiekosten sowie Engpässen bei Packmitteln wie Glasflaschen und Verschlüssen. Eine längerfristige Störung der Straße von Hormus würde die ohnehin angespannte Versorgungslage zusätzlich destabilisieren. Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, fordert ein klares Benennen der Risiken und ein schnelles Gegensteuern, um mittelfristige Engpässe, insbesondere bei lebenswichtigen Arzneimitteln, deren Qualitätskontrolle von Helium abhängt, zu verhindern. Die Sorge in den Laboren und Werken der deutschen Arzneimittelhersteller steigt mit jeder weiteren Woche der Unsicherheit.
