Dortmund – Ein faszinierender archäologischer Fund aus dem späten 19. Jahrhundert wirft neues Licht auf alte Legenden und Aberglauben in der Region. Beim Abriss eines alten Gebäudes im Herzen Dortmunds stießen Arbeiter um 1880 auf ein rätselhaftes Objekt, das tief in einer Wand verborgen war: ein kleines, sargförmiges Kästchen. Es handelte sich um die sogenannte ‘Alraune mit Särglein’, ein Artefakt, das heute im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund aufbewahrt wird. Die Entdeckung sorgte damals sicherlich für Aufsehen, denn der Gegenstand war nicht nur ungewöhnlich, sondern trug auch eine düstere Botschaft auf seinem Deckel.
Nachdem der Staub des Deckels entfernt war, offenbarte sich dem damaligen Entdecker ein gemaltes Bild: ein Mensch, der an einem Galgen baumelte, umgeben von schwer zu entziffernden Buchstaben. Doch die wahre Überraschung verbarg sich im Inneren des Kästchens. Dort fand sich ein hölzernes Püppchen mit auffallend großen Augen, langen Beinen und einem zauseligen Bart – eine Figur, die sofort Assoziationen zu den sagenumwobenen Alraunen oder Galgenmännchen weckt. Das Objekt war offenbar dazu gedacht, seine ominöse Macht von seinem Versteck aus zu entfalten, möglicherweise als Schutz oder Fluch.
Die Alraune, eine Pflanzenwurzel, die oft menschenähnliche Formen annimmt, ist seit Jahrhunderten Gegenstand zahlreicher Mythen und Volkserzählungen. Diese ‘magischen Männlein’ galten je nach Region und Kontext als Glücksbringer, Schutzgeister oder eben auch als Manifestation teuflischer Kräfte. Insbesondere die Vorstellung, dass Alraunen unter Galgen wachsen, wo sie vom letzten Lebenssaft Gehängter genährt werden, verlieh ihnen eine besonders makabre und mächtige Aura. Der Arbeiter, der das Dortmunder Objekt entdeckte, wusste womöglich um die Bedeutung solcher Funde und die tief verwurzelten Ängste und Hoffnungen, die sich an sie knüpften.
Heute ermöglicht das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund einen Einblick in diese geheimnisvolle Welt. Das Artefakt, liebevoll als ‘Alraune mit Särglein’ bekannt, ist ein Zeugnis einer Zeit, in der Aberglaube und Magie einen festen Platz im Alltag hatten. Die oft zitierte Aussage ‘Das ist von einem Dieb’ könnte sich auf die Legenden um den Erwerb solcher Alraunen beziehen – denn um ihre Macht zu erlangen, mussten sie oft unter gefährlichen oder unethischen Umständen gewonnen werden. Der Dortmunder Fund bleibt ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Objekte aus vergangenen Epochen uns auch heute noch fesseln und zum Nachdenken über menschliche Ängste und Überzeugungen anregen können.
