Die Deutsche Bahn hat eine gravierende Verzögerung bei der Sanierung der wichtigen **Bahnstrecke Hamburg-Berlin** bekannt gegeben. Ursprünglich für den 30. April geplant, kann die Wiedereröffnung aufgrund der anhaltenden Kältewelle und intensiven Schneefälle seit dem Jahreswechsel nicht eingehalten werden. Besonders betroffen sind die kritischen Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik, dem Kabeltiefbau sowie der Montage von Signalen und Oberleitungen, wo die niedrigen Temperaturen ein Vorankommen faktisch unmöglich machten. Infrastrukturvorstand Gerd-Dietrich Bolte sprach von einer “bitteren Nachricht” und einem Rückstand von mittlerweile sechs Wochen, obwohl ein Puffer von zwei bis drei Wochen eingeplant war. Die Bahn verspricht, die Arbeiten nach dem vollständigen Auftauen des Bodens mit verstärktem Personal wieder aufzunehmen.
Die Auswirkungen des stärksten Wintereinbruchs seit über 15 Jahren waren immens. Trotz anfänglichem Optimismus und Maßnahmen wie dem Einhausen von Baustellen, musste die Bahn einsehen, dass der Rückstand nicht mehr aufzuholen ist. Projektleiter Julian Fassing betonte, dass bestimmte Arbeiten, wie das Verlegen von Kabeln, zwingend Plusgrade erfordern und eine Einhausung der gesamten 280 Kilometer langen Strecke unrealistisch sei. Auch eine Reduzierung des Bauumfangs kommt nicht infrage. Bis Ende Dezember lag das Projekt noch gut im Zeitplan, mit 99 Prozent der Gleise und 98 Prozent der Weichen fertiggestellt. Die verbleibenden Arbeiten sind jedoch witterungssensibel und benötigen mildere Temperaturen.
Diese unerwartete Verzögerung hat weitreichende Folgen für Fahrgäste und Güterverkehr. Reisende müssen auch im Mai weiterhin den Schienenersatzverkehr nutzen oder längere Umleitungsfahrten von rund 45 Minuten in Kauf nehmen. Besonders hart trifft es die Güterbahnen, deren Verband die Verschiebung scharf kritisierte. Geschäftsführer Peter Westenberger bezeichnete die Situation als „einziges Trauerspiel“ und forderte eine Überprüfung der Planungen, die seiner Meinung nach „auf Kante genäht“ seien. Die resultierenden, längeren Umwege bedeuten immense Mehrkosten für die Unternehmen. Die zusätzlichen Bauzeiten und daraus resultierenden Kosten für die 2,2 Milliarden Euro teure Sanierung sind derzeit noch unklar.
Die Sanierung der **Bahnstrecke Hamburg-Berlin** galt als entscheidende Bewährungsprobe für das gesamte Konzept der Korridorsanierungen. Die Deutsche Bahn hatte intern gehofft, mit diesem Projekt das Vertrauen in ihre umfassenden Netzmodernisierungspläne zu stärken, da in diesem Jahr gleich vier weitere Hauptstrecken unter Vollsperrung saniert werden. Als direkte Konsequenz der Verzögerung hat die DB bereits angekündigt, die geplanten Sanierungsarbeiten auf den wichtigen Umleiterstrecken Hamburg-Hannover und Lübeck-Bad Kleinen, die ursprünglich am 1. Mai beginnen sollten, ebenfalls zu verschieben. Dies soll eine vollständige Blockade des Schienenverkehrs in Norddeutschland verhindern und die Belastung für Eisenbahnverkehrsunternehmen und Fahrgäste minimieren.
